
- Eine gute Konfirmationsrede dauert 3 bis 5 Minuten, höchstens 10.
- Aufbau: Begrüßung → persönlicher Rückblick mit ein, zwei Geschichten → Bedeutung des Tages (z. B. der Konfirmationsspruch) → Wünsche → Schluss mit Segenswunsch oder Toast.
- Am wichtigsten sind konkrete, persönliche Erinnerungen – keine allgemeinen Floskeln.
- Humor ja, aber nie auf Kosten des Konfirmanden.
- Unten findest du drei Musterreden: von der Patin, von den Eltern und vom Konfirmanden selbst.
Die Konfirmation ist für Jugendliche und ihre Familien ein großer Tag. Bei der Feier nach dem Gottesdienst hält oft jemand eine Rede: die Eltern, ein Pate, die Großeltern oder der Konfirmand selbst. Hier lernst du, wie du eine Rede aufbaust, die persönlich, kurz und feierlich zugleich ist.
Was wird bei der Konfirmation gefeiert?
Die Konfirmation ist ein Fest der evangelischen Kirche. Das Wort kommt vom lateinischen confirmatio, „Befestigung, Bekräftigung“. Jugendliche, meist um die 14 Jahre alt, bekräftigen nach dem Konfirmandenunterricht selbst ihre Taufe, die ihre Eltern und Paten damals stellvertretend für sie bejaht haben. Im Gottesdienst werden sie gesegnet und bekommen einen Konfirmationsspruch, einen Bibelvers, der sie begleiten soll. Mit der Konfirmation gelten sie als mündige Mitglieder der Gemeinde und dürfen zum Beispiel selbst Pate werden. Vergleichbar sind die katholische Firmung und die nichtreligiöse Jugendweihe.
Für deine Rede heißt das: Es geht um einen Schritt ins Erwachsenwerden und um den Glauben. Wie stark du den religiösen Teil betonst, hängt davon ab, wie die Familie dazu steht. Der Konfirmationsspruch ist fast immer ein guter Anknüpfungspunkt.
Aufbau einer Konfirmationsrede
1. Begrüßung
Sprich zuerst den Konfirmanden an, dann die Familie und die Gäste. Sag kurz, wer du bist, falls dich nicht alle kennen („Für alle, die mich nicht kennen: Ich bin Annas Patentante Sabine.“). Ein Satz zum Anlass genügt.
2. Persönlicher Rückblick
Das Herzstück. Erzähle ein oder zwei konkrete Erlebnisse, die zeigen, was für ein Mensch der Konfirmand ist: der Zelturlaub im Regen, das erste selbst gebackene Brot, der Moment, in dem er seinem kleinen Bruder das Fahrradfahren beigebracht hat. Eine gute Geschichte sagt mehr als zehn Adjektive wie „toll“, „hilfsbereit“ und „wunderbar“.
3. Bedeutung des Tages
Hier schlägst du die Brücke zur Konfirmation. Am einfachsten über den Konfirmationsspruch: Was bedeutet er, und wie passt er zu dem Jugendlichen? Wer nicht so religiös ist, kann auch über das Erwachsenwerden sprechen: Ab heute entscheidest du selbst.
4. Wünsche
Formuliere zwei bis drei Wünsche für die Zukunft. Konkrete Wünsche wirken stärker als allgemeine: „Ich wünsche dir Freunde, mit denen du um drei Uhr nachts über alles reden kannst“ statt „Ich wünsche dir alles Gute“.
5. Schluss
Ein Segenswunsch, ein kurzes Zitat, die Übergabe eines Geschenks oder ein Toast („Lasst uns die Gläser auf Anna erheben!“). Danach setzt du dich – nicht noch einmal neu anfangen.
Schritt für Schritt zur Rede
- Rahmen klären: Mit den Gastgebern absprechen, wann geredet wird (vor dem Essen oder zwischen Hauptgang und Dessert ist ideal) und wer noch spricht.
- Material sammeln: Fotos, alte Nachrichten, Erinnerungen der Familie. Frag Geschwister oder Freunde nach einer typischen Geschichte.
- Den Konfirmationsspruch erfragen und darüber nachdenken, was er für den Jugendlichen bedeuten kann.
- Roter Faden: Such ein Bild, das sich durch die Rede zieht, etwa „Wege“, „Wurzeln und Flügel“ oder „Kompass“.
- Schreiben nach dem Aufbau oben, in kurzen Sätzen, die man gut sprechen kann.
- Laut üben und die Zeit stoppen. Zu lang? Streiche, statt schneller zu sprechen.
- Stichwortkarten vorbereiten oder den Text groß ausdrucken. Eine Woche vorher jemanden gegenlesen lassen.
Beliebte Konfirmationssprüche als Anknüpfungspunkt
| Bibelstelle | Vers (Lutherübersetzung) | Idee für die Rede |
|---|---|---|
| Psalm 23,1 | „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ | Geborgenheit, auch in schweren Zeiten nicht allein sein |
| Josua 1,9 | „Sei getrost und unverzagt …“ | Mut für Neues: Schule, Ausbildung, Auslandsjahr |
| 1. Korinther 13,13 | „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei …“ | Drei Wünsche, passend zu den drei Begriffen |
| Psalm 91,11 | „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ | Bild vom Weg, Schutz auf Reisen und im Leben |
Musterreden
Liebe Anna, liebe Familie, liebe Gäste,
für alle, die mich nicht kennen: Ich bin Sabine, Annas Patentante. Vor vierzehn Jahren stand ich in derselben Kirche wie heute und habe versprochen, Anna auf ihrem Weg zu begleiten. Heute hat Anna selbst Ja gesagt. Und ich darf sagen: Es war mir eine Freude, dabei zu sein.
Anna, ich erinnere mich genau an unseren ersten gemeinsamen Ausflug ohne deine Eltern. Du warst sechs, wir wollten in den Zoo, und es hat in Strömen geregnet. Ich wollte umkehren. Du hast mich an die Hand genommen und gesagt: „Die Pinguine finden Regen gut.“ Wir waren die einzigen Besucher, und es wurde einer der schönsten Tage. Das bist du: Du findest in jeder Lage das, was gut ist.
Und du bist mutig. Als du letztes Jahr bei der Theater-AG plötzlich für die Hauptrolle einspringen musstest, hattest du zwei Tage Zeit für den Text. Du hast nicht geklagt, du hast geübt – abends sogar am Telefon mit mir. Bei der Aufführung hat niemand gemerkt, dass du eingesprungen bist.
Dein Konfirmationsspruch lautet: „Sei getrost und unverzagt.“ Ich glaube, er passt zu dir wie kaum ein anderer. Unverzagt heißt nicht, dass man nie Angst hat. Es heißt, dass man trotzdem losgeht. Und getrost heißt, dass man dabei nicht allein ist.
Ich wünsche dir drei Dinge: dass du dir deinen Blick für das Gute bewahrst, auch an Regentagen. Dass du Menschen um dich hast, die dich auffangen, wenn du einmal stolperst. Und dass du nie vergisst: Du kannst jederzeit anrufen – auch wenn es kein Text zum Abfragen ist.
Darum hebt bitte mit mir die Gläser: Auf Anna, auf ihren Mut und auf alle Wege, die vor ihr liegen!
Lieber Paul, liebe Familie, liebe Freunde,
wir halten diese Rede zu zweit, damit keiner von uns beiden zu sehr ins Schwärmen gerät. Paul, als du geboren wurdest, haben wir uns gefragt, was für ein Mensch du einmal wirst. Heute wissen wir es ein Stück weit: einer, der zuhört. Einer, der beim Fußball den Ball lieber abgibt, als selbst das Tor zu schießen. Und einer, der beim Konfirmandenwochenende als Einziger daran gedacht hat, für den Pfarrer ein Geburtstagsständchen zu organisieren.
Wir wissen auch, dass du nicht jeden Sonntag gern in die Kirche gegangen bist. Umso mehr hat es uns beeindruckt, wie ernst du dich mit den Fragen im Unterricht auseinandergesetzt hast und dass du heute bewusst Ja gesagt hast.
Dein Spruch lautet: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Wir wünschen dir, dass du dich immer getragen fühlst – von deinem Glauben, von deinen Freunden und von uns. Du wirst jetzt mehr und mehr deine eigenen Wege gehen. Das ist gut so. Unsere Tür bleibt offen.
Wir sind sehr stolz auf dich. Herzlichen Glückwunsch zur Konfirmation!
Liebe Familie, liebe Freunde,
ich möchte nur ganz kurz Danke sagen. Danke, dass ihr heute alle gekommen seid, manche von euch sogar von weit her. Danke, Mama und Papa, dass ihr diese Feier vorbereitet habt und mich in der Konfi-Zeit so oft gefahren habt. Danke an meine Paten, dass ihr seit vierzehn Jahren für mich da seid.
Die Konfi-Zeit war anders, als ich gedacht hatte. Ich habe viel über Fragen nachgedacht, über die ich vorher nie gesprochen habe – und ich habe neue Freunde gefunden. Heute fühle ich mich ein bisschen erwachsener. Aber nur ein bisschen.
Jetzt wünsche ich euch einen schönen Nachmittag. Das Buffet ist eröffnet!
Rhetorische Tipps für den Vortrag
- Kurze Sätze: Gesprochene Sprache verträgt keine Schachtelsätze.
- Direkte Anrede: Sprich den Konfirmanden mit „du“ an, die Gäste mit „ihr“.
- Dreierfiguren: Drei Wünsche, drei Eigenschaften – ein Trikolon prägt sich gut ein.
- Pausen nach der Pointe einer Geschichte und vor dem Schluss.
- Blickkontakt: Schau vor allem den Konfirmanden an, nicht nur auf dein Blatt.
- Ein roter Faden wie „Wege“ verbindet Rückblick, Spruch und Wünsche.
Mehr Stilmittel und ihre Wirkung findest du in der Liste rhetorischer Stilmittel.
- Zu lang: Nach zehn Minuten hört niemand mehr zu.
- Peinliche Geschichten, die den Jugendlichen bloßstellen (Kleinkind-Missgeschicke, erste Verliebtheit).
- Nur Floskeln wie „du bist ein wunderbarer Mensch“ ohne Beispiel.
- Insiderwitze, die nur zwei Gäste verstehen.
- Eine Predigt halten: Das hat die Pfarrerin im Gottesdienst schon getan.
- Den Konfirmanden selbst nicht direkt ansprechen.
Checkliste
- Mit Gastgebern Zeitpunkt und Reihenfolge abgesprochen
- Begrüßung mit direkter Anrede des Konfirmanden
- Ein bis zwei konkrete, liebevolle Geschichten
- Bezug zum Konfirmationsspruch oder zum Erwachsenwerden
- Zwei bis drei konkrete Wünsche
- Klarer Schluss mit Segen, Geschenk oder Toast
- Laut geübt, Dauer 3 bis 5 Minuten
















