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Ruhig Brauner – woher kommt diese Redensart?

  • by Anatoli Bauer
Ruhig Brauner – woher kommt diese Redensart

„Ruhig Brauner“ ist ein Ausdruck, den sicherlich jeder schon einmal gehört hat. Verwendet wird er vor allem, um jemanden von ungestümen Verhalten abzuhalten oder auf die Ungeduld des Gegenübers hinzuweisen. Doch warum soll ausgerechnet ein „Brauner“ sich beruhigen? Stecken hinter dieser Aussage etwa rassistische oder politische Hintergründe?

Herkunft der Redensart

Tatsächlich stammt die Aussage „Ruhig Brauner“ aus der Welt der Oper. Neben der Bibel stellen Oper und Theater die häufigste Quelle für Redensarten dar, die wir in unserem alltäglichen Sprachgebrauch verwenden. „Ruhig Brauner“ ist ein Zitat aus dem Ring der Nibelungen von Richard Wagner. In einer der zentralen Szenen führen die Walküren die gefallenen Krieger und deren Pferde auf die Bühnen.

Als zwei Pferde sich zu nah kommen, quittieren diese es mit unruhigem Schnauben und Austreten. Die Walküre Helmwige beruhigt das Pferd daraufhin mit der Aussage „Ruhig Brauner! Brich den Frieden nicht!“ Diese – vermeintlich unspektakuläre – Aussage war jedoch so einprägsam, dass wir sie heute noch verwenden.

Heutzutage wird der Begriff “Ruhig, Brauner!” seltener verwendet als noch vor Jahrzehnten. Trotzdem gehört er in die Kategorie der bekannten Sprichwörter und findet immer wieder seine Anwendung. In der deutschen Synchronisation eines Bruce Willis Films wurde das Sprichwort: “Ruhig, Brauner!” beispielsweise verwendet. In einem Western passt das Sprichwort sehr gut in so manche Filmszene. So auch in einem John-Wayne-Western geschehen.

Den kühlen Kopf bewahren

So manches Sprichwort wird heute wie “Ruhig, Brauner!” als Synonym verwendet. Der Sprachgebrauch verändert sich mit den Jahren. Heute geht s darum einen kühlen Kopf zu bewahren oder “ruhig Blut”. Inhaltlich bleibt es bei “Ruhig, Brauner!”. Jugendliche untereinander würden kaum noch dieses Sprichwort verwenden, geschweige denn, dass sie es überhaupt noch kennen. Die Generationen zuvor sind eher mit dem Sprichwort heute noch vertraut. Die Sprachkultur verändert sich und wird geprägt durch die Schule und deren Lehrstoffplans.

“Ruhig, Brauner!” und die aufflammende Rassismusdebatte

Die Farbe “braun” steht immer wieder im direkten Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus. Die Vergangenheit von Deutschland hinterlässt bis heute ihre Spuren. Ein Beispiel aus dem Sommer 2019 zeigt auf, welche Wellen das Sprichwort “Ruhig, Brauner!” schlagen kann. Alles begann an einem beschaulichen Ort im Osten von Hessen. Der vermeintliche Tatort befand sich auf dem grünen Rasen. Ausgetragen wurde ein Amateurspiel der Kreisoberliga Hilders. Der Schiedsrichter Oliver Romanow geriet mit dem Sprichwort in einen für ihn überraschenden und unvorhersehbaren Eklat. Der Stürmer Abdullah Özsuvaci vom Verein aus Hilders selbst wollte die Wogen glätten, denn ihm galt das Sprichwort: “Ruhig, Brauner!”. Zwar kritisierte er das scharfe Auftreten des Unparteiischen, doch ging es ihm nicht um die Äußerung “Ruhig, Brauner!”, sondern um das Verhalten des Schiedrichters. Für ihn übte der Schiedsrichter seine Macht aus und zelebrierte dies entsprechend auf dem Spielfeld.

Die Wellen schlugen auf Facebook über

Damit war der Szene noch kein Ende gesetzt, sondern es ging erst richtig los. Es folgte eine Berichterstattung auf Facebook. Der Hilderser Spieler Peter John setzte die Story in seinem Facebook-Account ab. Es wäre eine Beleidigung gewesen, aufgrund der Herkunft von Abdullah. Özsuvaci selbst wollte es nicht aufbauschen. Der damalig 36-Jährige Stürmer würde genau wissen, was gemeint war mit dem Ausspruch “Ruhig, Brauner!”. Bei anderen Schiedsrichtern hat er dieses Sprichwort einordnen können. Doch bei ihm wüsste er nicht, ob er es doch anders gemeint hätte. Ursprünglich ginge es ja aus den Nibelungen von Richard Wagner darum, dass die braunen Pferde mit den schwarzen Haaren beruhigt werden sollten. Das Spiel wurde zudem vom TSV Hilders verloren. Doch der Ärger würde nicht darum gehen, so die Spieler. Für Özsuvaci stand fest, das Spiel wurde verdient verloren. Jedoch plädierte er dafür, dass der Schiedsrichter nie mehr spielen sollte.

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