
- Ein Fabelwesen, das halb Mensch und halb Pferd ist, heißt Zentaur oder Kentaur (Mehrzahl: Zentauren, Kentauren).
- „Kentaur“ ist näher am griechischen Wort kéntauros, „Zentaur“ kommt über das lateinische centaurus. Beide Schreibweisen sind richtig.
- Ein Zentaur hat Kopf, Arme und Oberkörper eines Menschen und ab der Hüfte den Körper eines Pferdes mit vier Beinen.
- Die Wesen stammen aus der griechischen Mythologie. Sie gelten meist als wild und unbeherrscht, mit einer berühmten Ausnahme: dem weisen Lehrer Chiron.
Ob im Kreuzworträtsel, in „Harry Potter“ oder im Lateinunterricht: Die Frage nach dem Wesen, das halb Mensch und halb Pferd ist, taucht immer wieder auf. Die Antwort ist kurz. Spannender ist, was hinter diesen Gestalten steckt und wie man andere Mischwesen der Antike nennt.
Zentaur oder Kentaur – was ist richtig?
Beides. Die Griechen nannten die Wesen kéntauroi. Die Römer übernahmen das Wort als centaurus, und weil das lateinische c vor e im Deutschen wie z ausgesprochen wurde (wie bei „Zentrum“ aus centrum), entstand auch die Schreibung mit Z. So entstanden zwei deutsche Formen:
| Form | Herkunft | Mehrzahl | weiblich |
|---|---|---|---|
| Kentaur | griechisch kéntauros | die Kentauren | die Kentaurin |
| Zentaur | lateinisch centaurus | die Zentauren | die Zentaurin |
In der Fachliteratur über die Antike liest man häufiger „Kentaur“, im Alltag, in Fantasy-Büchern und im Kreuzworträtsel eher „Zentaur“. Woher das griechische Wort selbst kommt, ist nicht geklärt. Eine alte, aber unsichere Deutung verbindet es mit „stechen“ und „Stier“, also etwa „Stierstecher“.
Wie sieht ein Zentaur aus?
Ein Zentaur besteht aus zwei Hälften: Oben sitzen Kopf, Arme und Oberkörper eines Mannes, unten der Rumpf mit vier Pferdebeinen und einem Pferdeschwanz. Er hat also sechs Gliedmaßen. In sehr frühen griechischen Darstellungen sieht man auch Zentauren mit menschlichen Vorderbeinen, an die hinten ein Pferdekörper angesetzt ist. Weibliche Zentauren kommen erst in späterer Kunst häufiger vor.
Woher kommen die Zentauren?
Nach dem bekanntesten Mythos wollte der König Ixion die Göttin Hera verführen. Zeus formte daraufhin aus einer Wolke ein Abbild Heras, die Nephele. Aus der Verbindung von Ixion und dieser Wolke ging ein Wesen hervor, das sich mit Stuten paarte – so entstanden die Zentauren. Sie lebten in den Wäldern und Bergen Thessaliens, vor allem am Berg Pelion.
Zentauren stehen in vielen Geschichten für das Wilde und Triebhafte im Menschen: Sie sind stark, trinkfest und kaum zu bändigen. Der Pferdeleib verkörpert die ungezähmte Natur, der Menschenkopf den Verstand. Man kann sie deshalb als Bild für den Konflikt zwischen Trieb und Vernunft deuten.
Berühmte Zentauren
- Chiron (Cheiron): der weise Zentaur, Sohn des Titanen Kronos. Er war heilkundig und unterrichtete viele Helden, darunter Achilles, Jason und den Heilgott Asklepios. Nach seinem Tod wurde er der Sage nach als Sternbild an den Himmel versetzt.
- Nessos: Er wollte Deianeira, die Frau des Herakles, entführen und wurde von dessen Pfeil getroffen. Sterbend riet er Deianeira, sein Blut als Liebeszauber aufzubewahren. Später tötete ein damit getränktes Gewand Herakles. Daher kommt der Ausdruck „Nessoshemd“ für ein Geschenk, das Unheil bringt.
- Pholos: ein gastfreundlicher Zentaur, der Herakles bewirtete.
Auch in der modernen Literatur leben die Wesen weiter: In „Harry Potter“ ist Firenze ein Zentaur, in den „Chroniken von Narnia“ kämpfen Zentauren an Aslans Seite, und in „Percy Jackson“ ist Chiron der Trainer der Halbgötter. Am Nachthimmel findest du außerdem das Sternbild Zentaur und den Schützen, der oft als Zentaur mit Bogen dargestellt wird.
Andere Mischwesen und ihre Namen
Die Antike kennt viele weitere Wesen, die aus Mensch und Tier zusammengesetzt sind. Die Infografik zeigt die wichtigsten.
Wie benutzt man das Wort richtig?
- der Zentaur, des Zentauren, dem Zentauren, den Zentauren (schwache Deklination)
- „Im Buch tritt ein Zentaur auf.“ – „Der Held fragt den Zentauren um Rat.“
- Falsch ist „des Zentaurs“ oder „dem Zentaur“ in der Standardsprache.
Wenn du dich für weitere Wörter mit spannender Herkunft interessierst, schau dir an, was „Amor vincit omnia“ heißt oder lies über Symbole in der Literatur. Zum Thema griechische Philosophie passt der Artikel über Sokrates’ „Ich weiß, dass ich nichts weiß“.








