
- Beim textgebundenen Aufsatz untersuchst du einen vorgegebenen Text, meist einen Sachtext (Kommentar, Zeitungsartikel, Rede), und beantwortest dazu Arbeitsaufträge.
- Typische Teile: Einleitung (Basissatz), Inhalt zusammenfassen, Aufbau und Sprache untersuchen, Intention deuten, am Ende Stellung nehmen oder erörtern.
- Jede Beobachtung belegst du mit Zeilenangabe und erklärst ihre Wirkung.
- Der Aufsatz ist ein zusammenhängender Text im Präsens – keine Stichpunktliste.
Der textgebundene Aufsatz ist vor allem an Realschulen und Gymnasien in Bayern eine feste Prüfungsform, in anderen Bundesländern heißt die gleiche Aufgabe oft „Sachtextanalyse“ oder „Textanalyse mit Stellungnahme“. Die gute Nachricht: Wer das Grundschema einmal verstanden hat, kann es auf jeden Text anwenden. Hier lernst du die Gliederung, die einzelnen Schritte und siehst an einem Beispieltext, wie ein fertiger Aufsatz aussieht.
Was ist ein textgebundener Aufsatz?
Anders als bei einer freien Erörterung schreibst du nicht frei zu einem Thema, sondern arbeitest eng am vorgegebenen Text. Die Arbeitsaufträge geben dir die Struktur vor, zum Beispiel:
- Fasse den Inhalt des Textes zusammen.
- Untersuche den Aufbau und die Argumentationsweise.
- Beschreibe sprachliche Mittel und erkläre ihre Wirkung.
- Nimm Stellung zur These des Autors / Erörtere die Frage, ob …
Die Gliederung im Überblick
Schritt für Schritt zum textgebundenen Aufsatz
- Arbeitsaufträge lesen und Operatoren markieren (zusammenfassen, untersuchen, erläutern, Stellung nehmen).
- Text zweimal lesen: erst für den Gesamteindruck, dann mit Stift. Unbekannte Wörter aus dem Zusammenhang klären.
- Sinnabschnitte bilden und jedem Abschnitt eine Überschrift am Rand geben.
- These, Argumente, Beispiele farbig markieren (z. B. These rot, Argumente blau, Beispiele grün).
- Sprachliche Auffälligkeiten notieren: Wortwahl, Satzbau, Stilmittel, Leseransprache – jeweils mit Zeilenangabe.
- Stichpunkt-Gliederung erstellen (5 Minuten, die sich lohnen).
- Ausformulieren im Präsens, mit Belegen (Z. 12) und Überleitungen.
- Überarbeiten: Rechtschreibung, Zeichensetzung, Zitierweise, Wiederholungen.
Die einzelnen Teile mit Formulierungshilfen
Einleitung
Der Basissatz nennt Autor, Titel, Textsorte, Quelle, Erscheinungsdatum und das Thema in einem oder zwei Sätzen. Eine kurze Hinführung zum Thema (aktueller Bezug) ist erlaubt, aber kein Muss.
Inhaltszusammenfassung
Gib die Kernaussagen in eigenen Worten und im Präsens wieder. Keine Zitate, keine Wertung, indirekte Rede im Konjunktiv: „Der Autor meint, Handys lenkten ab.“
Aufbau und Argumentation
Zeige, wie der Text gebaut ist: Womit beginnt er (Beispiel, Frage, Zahl)? Wo steht die These? Wie werden Argumente geordnet und gestützt? Hilfreich ist der Artikel Argumentationsstruktur analysieren und die Liste der Argumenttypen.
Sprache
Nenne das sprachliche Mittel, belege es und erkläre die Wirkung. Ohne Wirkung ist die Beobachtung wertlos. Eine Übersicht findest du in den rhetorischen Stilmitteln mit Wirkung.
| Teil | Formulierungshilfen |
|---|---|
| Einleitung | In dem Kommentar „…“ von …, erschienen am … in …, setzt sich der Autor mit der Frage auseinander, ob … |
| Inhalt | Zunächst stellt der Autor fest, dass … / Anschließend führt er aus … / Abschließend fordert er … |
| Aufbau | Der Text lässt sich in … Sinnabschnitte gliedern. / Die These steht bereits im ersten Absatz (Z. 3). / Das Argument wird durch ein Beispiel gestützt (Z. 10 f.). |
| Sprache | Auffällig ist die rhetorische Frage „…“ (Z. 5), die den Leser zum Nachdenken anregt. / Durch die Metapher „…“ (Z. 8) wird verdeutlicht, dass … |
| Intention | Der Autor möchte die Leser davon überzeugen, dass … / Er will zum Handeln auffordern. |
| Stellungnahme | Meiner Meinung nach ist die Position des Autors nur teilweise überzeugend, denn … / Dafür spricht … Dagegen lässt sich einwenden … |
Musteraufsatz
Lena Hartmann: Weg mit den Handys! – Kommentar, Stadtanzeiger, 12. März 2026
(1) Es klingelt zur Pause, und was passiert? Dreißig Köpfe senken sich gleichzeitig über leuchtende Bildschirme. (2) Gespräche? Fehlanzeige. (3) Es ist Zeit, die Handys aus den Schulen zu verbannen. (4) Wer sich ständig ablenken lässt, kann sich nicht konzentrieren – Studien zeigen, dass schon ein Handy auf dem Tisch die Aufmerksamkeit senkt. (5) Hinzu kommt: Cybermobbing beginnt oft in der Pause, mit einem schnellen Foto, das in Sekunden die Runde macht. (6) Natürlich sagen Kritiker, Schüler müssten den Umgang mit Medien lernen. (7) Richtig – aber dafür gibt es den Unterricht, nicht den Pausenhof. (8) Schulen, die Handyverbote eingeführt haben, berichten von lebhafteren Pausen. (9) Geben wir unseren Kindern die Pause zurück!
- Stilmittel nur aufzählen, ohne Beleg und Wirkung
- Inhalt nacherzählen statt zusammenfassen, oder schon dort die eigene Meinung einbauen
- Präteritum statt Präsens
- Fehlende Zeilen- oder Satzangaben bei Belegen
- Stellungnahme ohne Begründung („Ich finde den Text gut.“)
- Arbeitsaufträge nicht vollständig beantwortet
- Basissatz mit Autor, Titel, Textsorte, Quelle, Datum, Thema
- Inhalt in eigenen Worten, Präsens, Konjunktiv bei indirekter Rede
- Aufbau mit These und Argumenten beschrieben
- mindestens 3–4 sprachliche Mittel mit Beleg und Wirkung
- Intention klar benannt
- Stellungnahme mit Argumenten und Fazit
- Überleitungen zwischen den Teilen









