Was sind erzählerische Mittel in Deutsch? – Aufklärung

Was sind erzählerische Mittel in Deutsch

Mithilfe von erzählerischen Mitteln kann beschrieben werden, wie ein epischer Text, also beispielsweise eine Kurzgeschichte oder ein Roman, erzählt wird. Analysiert werden die Erzählperspektive, die Erzählform, die Positionierung des Erzählers, die Erzählebene, das Verhältnis zwischen Figurenrede und Erzählerbericht sowie die zeitlichen Aspekte. In der Analyse von Prosatexten werden zudem stilistische Mittel, die Figuren und ihre Beziehungen zueinander, Motive und Konflikte in der Handlung sowie die Orte der Handlung betrachtet. Die Erkenntnisse müssen anschließend interpretiert und zu einer Deutungsthese vereint werden.

Erzählperspektive

Die Erzählperspektive beschreibt die Position des Erzählers relativ zum Erzählten und kann somit die Frage beantworten, was und wie viel der Erzähler weiß und erzählen kann. Klassisch wird nach Stanzel in drei Typen eingeteilt.

  • Auktorialer Erzähler: Ein allwissender Erzähler, der das komplette Geschehen überblickt und bewerten und kommentieren kann.
  • Personaler Erzähler: Der Erzähler nimmt die Perspektive einer Figur innerhalb des Geschehens ein. Er sieht nur das, was diese Figur auch sieht, und bewertet die Situation entweder gar nicht oder der Figur entsprechend.
  • Ich-Erzähler: Die Geschichte wird aus der Sicht des Erzählers in Ich-Form erzählt. Er selbst ist Teil des Geschehens.

Darüber hinaus gibt es eine vierte Form, die des neutralen Erzählers. Er tritt völlig hinter das Geschehen zurück, ist weder Teil der Handlung noch kommentiert sie. Es handelt sich um eine sachliche Wiedergabe des Geschehens.

Fokalisierung

Anstelle der Erzählperspektiven nach Stanzel wird sich inzwischen häufiger der Fokalisierung nach Genette bedient. Sie beschreibt, wie sich das Wissen des Erzählers zum Wissen der Figur(en) verhält.

  • Nullfokalisierung: Entspricht einem allwissenden Erzähler, der mehr erzählt, als die Figuren wissen können.
  • Interne Fokalisierung: Die Erzählung findet vorwiegend aus der Perspektive einer Figur statt. Oft wird hier die Ich-Form angewendet, aber interne Fokalisierung kann ebenso in der Er-/Sie-Form auftreten.
  • Externe Fokalisierung: Der Erzähler betrachtet das Geschehen von außen und stellt lediglich dar, was passiert. Er hat keine Einsicht in das Wissen der Figuren, sodass deren Handlungen zunächst schwer nachzuvollziehen sein können.

Fokalisierung und Perspektive können sich auch innerhalb eines Textes ändern.

Positionierung des Erzählers – Wer erzählt die Geschichte?

Mithilfe dieser Einteilung kann entschieden werden, ob der Erzähler Teil der erzählten Welt ist oder außerhalb davon steht.

  • Ein heterodiegetischer Erzähler ist nicht Teil der erzählten Welt.
  • Ein homodiegetischer Erzähler ist Teil der erzählten Welt.
  • Ein autodiegetischer Erzähler ist eine besondere Form des homodiegetischen Erzählers, denn er erzählt seine eigene Geschichte als Hauptfigur in der erzählten Welt.

Erzählebene

Sobald innerhalb der erzählten Handlung eine weitere Erzählung erfolgt, wenn beispielsweise Abenteurer am abendlichen Lagerfeuer eine Geschichte zu erzählen beginnen, wird eine neue Erzählebene aufgemacht. Während der Erzähler der äußeren Handlung (Rahmenhandlung) extradiegetischer Erzähler genannt wird, ist die erzählende Figur der intradiegetische Erzähler (der Binnenhandlung). Wird innerhalb der Binnenerzählung eine weitere Ebene eröffnet, wird von einem metadiegetischen Erzähler gesprochen.

Erzählerbericht und Figurenrede

Zum Erzählerbericht zählt alles, was der Erzähler selbst durch erzählte Gedankenrede, indirekte Rede, Beschreibungen, Reflexionen und Kommentare darstellt. Die Figurenrede ist alles, was von den handelnden Figuren ausgeht: direkte Rede, innerer Monolog, Bewusstseinsstrom sowie die erlebte Rede. Nun kann das Verhältnis zwischen Erzählerbericht und Figurenrede untersucht werden. Bei einem telling überwiegt der Erzählerbericht, bei showing die Figurenrede.

Zeitliche Aspekte

Die Ordnung der Zeit beantwortet die Frage nach der Reihenfolge, in der das Geschehen erzählt wird. Eine Geschichte wird nicht immer chronologisch erzählt, die Reihenfolge, in der die Handlung geschieht, entspricht also nicht der Reihenfolge, in der sie erzählt wird. In diesem Fall spricht man von Anachronie. Sie kommt in verschiedenen Formen vor.

  • Eine Rückblende oder Analepse erzählt etwas, das in der Vergangenheit liegt, also vor dem gerade Erzählten stattgefunden hat.
  • Eine Vorausschau oder Prolepse erzählt etwas, das in der Zukunft liegt, also nach dem gerade Erzählten stattfinden wird.
  • Eine Auslassung von Geschehenem in der Handlung wird als Ellipse bezeichnet.

Weiterhin kann das Verhältnis von Erzählzeit (Dauer, während der etwas erzählt wird) und erzählter Zeit (Dauer, die das Geschehen einnimmt) untersucht werden.

  • Ist die Erzählzeit größer als die erzählte Zeit, zum Beispiel bei seitenlangen Beschreibungen, liegt eine Zeitdehnung vor.
  • Wird das Geschehen auf wenige Zeilen zusammengefasst, ist also die erzählte Zeit größer als die Erzählzeit, liegt eine Zeitraffung vor.
  • Beim zeitdeckenden Erzählen (Isochronie) sind beide gleich groß (zum Beispiel bei Dialogen).

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