
- Eine Parenthese (griech. „Einschub“) ist ein Wort, Satzteil oder ganzer Satz, der in einen anderen Satz eingeschoben wird und ihn unterbricht.
- Sie wird durch Gedankenstriche, Kommas oder Klammern abgetrennt. Lässt man sie weg, bleibt der Hauptsatz vollständig.
- Beispiel: „Eduard – so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter – Eduard hatte in seiner Baumschule die schönste Stunde eines Aprilnachmittags zugebracht.“ (Goethe)
- Wirkung: Zusatzinformation, persönlicher Kommentar, Betonung oder Spontaneität wie im Gespräch.
Parenthesen kennst du aus dem Alltag, auch wenn du den Begriff vielleicht noch nicht gehört hast: Jeder Satz mit einer Bemerkung in Klammern enthält eine. In literarischen Texten und Reden sind sie ein wichtiges Stilmittel. Hier erfährst du, wie du sie erkennst, richtig setzt und in einer Analyse deutest.
Definition: Was ist eine Parenthese?
Das Wort stammt vom griechischen parenthesis, „das Dazwischen-Hineinstellen“, also Einschub. Eine Parenthese ist ein grammatisch selbstständiger Einschub, der den Satzbau unterbricht. Das bedeutet: Der Einschub ist nicht Teil der Satzkonstruktion, in der er steht. Du kannst ihn herausnehmen, und der restliche Satz ist trotzdem vollständig und korrekt.
Zeichensetzung: Kommas, Gedankenstriche oder Klammern
Eine Parenthese wird immer auf beiden Seiten abgegrenzt. Welches Zeichen du wählst, hängt davon ab, wie stark der Einschub hervortreten soll.
| Zeichen | Wirkung | Beispiel |
|---|---|---|
| Kommas | schwächste Trennung, Einschub fügt sich in den Lesefluss ein | Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte! (Schiller) |
| Gedankenstriche | deutliche Hervorhebung, wirkt wie eine Sprechpause | Mein Bruder – du kennst ihn ja – kommt morgen. |
| Klammern | Einschub wird eher zur Nebeninformation | Der Ausflug (er kostet zehn Euro) findet am Freitag statt. |
- Setze das Zeichen immer paarweise – vor und nach dem Einschub.
- Ein Ausrufe- oder Fragezeichen der Parenthese steht vor dem schließenden Gedankenstrich: „Gefällt dir hier – sag es ruhig! – etwas nicht?“
- Verlangt der Hauptsatz an dieser Stelle ein Komma, steht es nach dem schließenden Gedankenstrich oder der Klammer.
Beispiele für Parenthesen
Der Erzähler meldet sich gleich im ersten Satz selbst zu Wort und stellt die Figur vor. Die Parenthese macht deutlich, dass hier jemand eine Geschichte erzählt – und dass der Name vielleicht nur ausgedacht ist.
Der Tyrann schiebt mitten in seinen Wunsch eine höfliche Bitte ein. Der Einschub zeigt seine Wandlung: Der Herrscher, der vorher befahl, bittet nun.
Die Sprecherin rechtfertigt sich mitten in der Entschuldigung. Der Einschub wirkt spontan und verrät, dass sie die Tat herunterspielen möchte.
- „Diesbezüglich – das will ich ganz deutlich sagen – mache ich mir erhebliche Sorgen.“
- „Die Prüfung war (wie erwartet) nicht leicht.“
- „Unser neuer Lehrer, ein großer Fußballfan, hat uns sofort zum Turnier angemeldet.“
Wirkung und Funktion der Parenthese
- Zusatzinformation: Der Einschub liefert eine Erklärung oder ein Detail, ohne dass ein neuer Satz nötig ist.
- Kommentar und Haltung: Der Sprecher oder Erzähler bewertet, was er sagt („das will ich ganz deutlich sagen“). So wird seine Meinung sichtbar.
- Betonung: Besonders mit Gedankenstrichen wirkt der Einschub wie ein lauter Zwischenruf und lenkt Aufmerksamkeit auf sich.
- Mündlichkeit und Spontaneität: Parenthesen wirken, als würde jemand beim Sprechen einen Gedanken einschieben. Figuren erscheinen dadurch lebendig, aufgeregt oder unsicher.
- Erzählerpräsenz: In Romanen zeigt eine Parenthese oft einen Erzähler, der sich direkt an den Leser wendet.
- Verzögerung und Spannung: Der Hauptgedanke wird aufgeschoben; der Leser wartet auf das Ende des Satzes.
- Nähe zum Publikum: In Reden schafft ein eingeschobenes „Sie wissen das“ Vertrautheit.
So analysierst du eine Parenthese
- Einschub finden: Achte auf Gedankenstriche, Klammern oder Kommapaare mitten im Satz.
- Weglassprobe: Nimm den Einschub heraus. Bleibt der Satz vollständig? Dann ist es eine Parenthese.
- Inhalt bestimmen: Ist der Einschub Information, Kommentar, Gefühl, Anrede oder Rechtfertigung?
- Zeichen beachten: Gedankenstriche betonen stärker als Klammern.
- Wirkung deuten: Was verrät der Einschub über Sprecher, Erzähler oder Absicht des Textes?








