
- Das Polysyndeton (griech. „vielfach verbunden“) ist eine Reihung, bei der jedes Glied mit einer Konjunktion angeschlossen wird: „und … und … und“.
- Beispiel: „Und es wallet und siedet und brauset und zischt“ (Schiller, „Der Taucher“).
- Wirkung: Fülle und Steigerung, ein eindringlicher Rhythmus, je nach Text feierlich-ruhig oder atemlos-überwältigend.
- Das Gegenteil ist das Asyndeton: Reihung ganz ohne Konjunktionen („Ich kam, sah, siegte“).
Normalerweise steht in einer Aufzählung nur vor dem letzten Glied ein „und“. Wenn ein Autor stattdessen jedes Glied mit „und“ verbindet, fällt das sofort auf. Dieses Stilmittel heißt Polysyndeton. Hier lernst du, wie du es erkennst, wie es sich vom Asyndeton unterscheidet und welche Wirkung du in der Analyse beschreiben kannst.
Definition und Herkunft
Das Wort setzt sich aus griechisch polý (viel) und sýndetos (zusammengebunden) zusammen. Es heißt das Polysyndeton, im Plural die Polysyndeta. Ein Polysyndeton liegt vor, wenn mindestens drei gleichrangige Wörter, Satzglieder oder Sätze durch mindestens zwei gleiche Konjunktionen verbunden sind, meist und, seltener oder, noch oder sowie.
„Auf dem Fest wurde getanzt und gesungen und gelacht und gegessen.“
Die normale Form wäre: „getanzt, gesungen, gelacht und gegessen“. Durch die wiederholten „und“ wirkt das Fest voller und lebendiger.
Polysyndeton, Syndeton und Asyndeton im Vergleich
| Begriff | Bauform | Typische Wirkung |
|---|---|---|
| Asyndeton | keine Konjunktion: A, B, C | Tempo, Hast, Knappheit, Dramatik |
| Syndeton | eine Konjunktion: A, B und C | normale Aufzählung, kein Stilmittel |
| Polysyndeton | jede Verbindung: A und B und C | Fülle, Nachdruck, Steigerung, Rhythmus |
Welche Wirkung hat das Polysyndeton?
Die Wirkung ist nicht immer gleich. Achte darauf, was aufgezählt wird und in welchem Tempo der Text sonst erzählt.
- Fülle und Überwältigung: Es scheint kein Ende zu nehmen. Die vielen Eindrücke stürzen auf den Leser ein.
- Steigerung: Jedes neue „und“ legt noch etwas drauf, oft bis zu einem Höhepunkt.
- Gleichgewicht der Glieder: Jedes Element wird einzeln betont und hat das gleiche Gewicht.
- Rhythmus: Das wiederkehrende „und“ erzeugt einen gleichmäßigen Takt, in Gedichten oft passend zum Metrum.
- Feierlicher oder erzählender Ton: In der Bibel und in Märchen wirkt die Reihung mit „und“ ruhig, gleichmäßig und altertümlich.
- Kindlicher oder atemloser Erzählstil: „Und dann … und dann … und dann“ kann Aufregung oder eine naive Sicht zeigen.
Beispiele aus der Literatur
„Und es wallet und siedet und brauset und zischt, / Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt“
Die vier Verben, verbunden durch vier „und“, ahmen das tosende Wasser im Strudel nach. Das Polysyndeton verstärkt den Eindruck einer gewaltigen, unaufhörlichen Bewegung. Zusammen mit den lautmalerischen Verben (Onomatopoesie) hört der Leser das Brausen förmlich.
„Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war.“
Das wiederholte „und“ am Satzanfang verbindet die Schöpfungsschritte zu einer ruhigen, feierlichen Abfolge. Jeder Schritt erscheint gleich bedeutend.
„Ich muss noch Mathe machen und Englisch lernen und mein Zimmer aufräumen und zum Training.“
Hier zeigt das Polysyndeton, wie überfordert sich der Sprecher fühlt: Die Aufgaben stapeln sich scheinbar endlos.
So analysierst du ein Polysyndeton
- Konjunktionen zählen: Wird jedes Glied einer Reihung verbunden?
- Glieder bestimmen: Sind es Nomen, Verben, Adjektive oder ganze Sätze?
- Inhalt prüfen: Was wird aufgezählt, und wie wirkt diese Menge?
- Wirkung benennen: Fülle, Steigerung, Rhythmus, Feierlichkeit, Atemlosigkeit?
- Mit der Deutung verbinden: Wie passt das Stilmittel zur Situation oder zur Aussage?
„Das Polysyndeton ‚Und es wallet und siedet und brauset und zischt‘ reiht vier Verben der Bewegung und des Geräuschs aneinander. Durch die ständig wiederholte Konjunktion entsteht der Eindruck einer unaufhaltsamen, sich steigernden Naturgewalt. Der Leser wird ebenso überwältigt wie die Zuschauer am Felsen.“








