Was ist ein Hyperbaton? – Beispiele, Wirkung & Erklärung

Das Hyperbaton ist ein rhetorisches Stilmittel, welches den Umbau eines Satzes beschreibt. Dies geschieht durch das Trennen zweier Wörter, die eigentlich im Satzaufbau (fachsprachlich auch Syntax genannt) ‚zusammengehören’. Getrennt werden diese Begriffe entweder durch a) das einfache Umstellen der ‚normalen’ Satzstellung oder b) durch das Einschieben zusätzlich eingefügter Wörter. Der mit einem Hyperbaton versehene Satz kann somit stark vom gewöhnlichen Satzbau abweichen und dadurch mitunter unvertraut oder sogar etwas holprig anmuten.

Der Begriff Hyperbaton (von altgriechisch: ὑπερβατός, hyperbatos) lässt bedeutet übersetzt ungefähr so etwas wie Verstellt oder Überschreitendes. Gerade Ersteres untermauert noch einmal sehr gut das Hauptmerkmal diese Stilmittels – nämlich die Verstellung des üblichen Satzbaus.
Um die besonderen Charakteristika des Hyperbatons zu verinnerlichen, ist es durchaus sinnig, diese durch eine Zahl von Beispielen zu illustrieren und somit verständlicher zu machen. Betrachten wir dazu zunächst einen ‚normalen’, also nicht umgestellten Satz, der uns daher in puncto Satzbau vertraut sein sollte.

Beispiel: Satz mit normalem Satzbau
Freue dich, Hans, denn ich verzeihe dir.

Die Abfolge der Wörter entspricht dabei unseren Erwartungen: sie ist sinnvoll, eindeutig und schlichtweg gewöhnlich. Anscheinend hat Hans etwas ausgefressen, und seine Mutter, sein Vater oder wer auch immer, verzeiht ihm diesen Fauxpas. Stellen wir den Satz nun um und postieren den guten „Hans“ zwischen die zusammengehörenden Wörter „freue dich“. Das sieht dann so aus:

Beispiel: Hyperbaton durch Umstellung
Dich, Hans, freue, denn ich verzeihe dir.

Fällt Ihnen etwas auf? Durch die Umstellung im Satzbau wurde das zusammenhängende Wortpaar voneinander getrennt und so die Aufmerksamkeit der potenziellen Leserschaft ‚manipuliert‘. Warum, werden jetzt einige von Ihnen fragen. Die Antwort ist recht simpel: Da nun nicht mehr das Verb „freuen“ an erster Stelle steht, sondern das Akkusativpronomen „dich“, wird der rhetorische Effekt produziert, dass genau eben dieses „dich“ um einiges wichtiger erscheint und quasi ins ‚Rampenlicht‘ tritt. Selbstverständlich kann man den Fokus auch auf das Wort „freuen“ legen.

Beispiel: Hyperbaton durch Umstellung
Freue, Hans, dich, denn ich verzeihe dir.

Wir sehen also ganz deutlich: Das Hyperbaton ist in der Lage unsere Aufmerksamkeit in Richtung eines Begriffes zu lenken, der vorher künstlich abgetrennt wurde! Ähnlich, aber etwas anders, macht es auch der expressionistische Dichter Georg Trackl in einem seiner bekanntesten Gedichte „Der Verfall“. Das Werk behandelt die Gefühle eines lyrischen Ichs, welches von Fernweh und Melancholie dominiert wird, welche dieses im Laufe eines Herbstabends zu schildern versucht. Im ersten Vers der dritten Strophe kommt das namensgebende Wort „Verfall“ das erste und einzige Mal vor – eingebettet in ein Hyperbaton. In diesem Vers zielt Trackl darauf ab, das Pronomen „mich“ besonders zu betonen, was die Emphase auf die Zerbrechlichkeit des lyrischen Ichs legt. Andernfalls stünde das Wort „mich“ relativ unbedeutend am Ende. Stilistisch wird genau dieser Effekt durch ein Hyperbaton gut zur Geltung gebracht.

„Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.“

Hinweis: Da es sich bei dem Hyperbaton um einen (alt-)griechischen Begriff handelt, heißt diese Stilfigur im Plural (Mehrzahl) übrigens Hyperbata. Nicht Hyperbatone oder Hyperbatons, wie man oft falsch hört!

In einem anderen Artikel haben wir eine große Sammlung aller sprachlichen Mittel!

Das Hyperbaton als Sammelbegriff für Satzumbau

Wir haben bereits herausgefunden, dass die rhetorische Figur des Hyperbatons – realisiert durch einen Einschub zwischen ein syntaktisch zusammengehörendes Begriffspaar (oder dessen absichtliches Trennen) – einen manipulativen Effekt auf die Betonungskraft einzelner Wörter im Satz hat. Der Terminus kann aber auch in dieser Form verstanden werden, dass er als Sammelbegriff für Satzumbau im Generellen fungier und somit die Stilmittel Anakoluth, Inversion, Paranthese oder auch Anastrophe miteinschließt. Somit ist es durchaus ‚erlaubt’ jegliche unübliche Satzstellung, die also von der allgemeinen, gängigen Syntax abweicht, als Hyperbaton (oder auch adjektivisch als „hyperbatonisch“) zu bezeichnen. Angemerkt sei dabei, dass der Begriff dabei natürlich in seiner „erweiterten“ Bedeutung gemeint ist. Werfen wir dazu einen Blick auf ein weiteres Beispiel.

Beispiel: Die Inversion als Hyperbaton
In feuriger Freude er stand da.

Wir wir sehen, wird hier lediglich der normal gebräuchliche Satzbau umgestellt ohne das künstliche Auseinanderreißen eines syntaktisch zusammengehörenden Wortpaares. Bei ganz strenger Betrachtung müsste man daher diesen Vers als eine Inversion klassifizieren.
Will man ein Hyperbaton allerdings als generellen Oberbegriff für das Umstellen der Syntax verstehen, dann trifft es in diesem Kontext natürlich auch auf dieses Beispiel zu.

Das Hyperbaton erkennen – weitere Beispiele

Generell sollten Umbauten in der Satzstruktur jedem direkt und relativ problemlos auffallen. Das exakte Erkennen und Bezeichnen der jeweils vorliegenden Stilfigur (z.B. Inversion) erfordert natürlich etwas genaueres Hinsehen und ist somit eine Ecke schwieriger, sollte aber dennoch recht schnell zu deuten sein.
Um den Bogen von der Theorie zur Praxis zu schlagen, möchten wir Ihnen hier noch einmal weitere Beispiele zur Vertiefung präsentieren. Dabei steht die „normale“ Satzstruktur jeweils in der oberen Verszeile, die umgeformte Hyperbaton-Version des Satzes in der Zeile darunter (kursiv).

Im Mondenscheine ist die Ruh sanft und süß.
Sanft ist im Mondenscheine und süß die Ruh.

Es schlägt [die] harte Stunde der Entscheidung.
Es schlägt der Entscheidung harte Stunde.

Es sind ausreichend Andeutungen gemacht!
Der Andeutungen sind genug gemacht!

Kurz und knapp: Key Facts zum Hyperbaton auf einen Blick

•Das Hyperbaton bezeichnet im engeren Sinne das Verstellen eines Satzes durch das ‚Auseinanderreißen‘ zweier (bezüglich des Satzaufbaus) zusammengehöriger Wörter durch das Einfügen eines Einschubs.
•Im weiteren Sinne wird das Stilmittel allerdings auch häufig Sätzen zugeschrieben, deren Satzbau von der üblichen Syntax abweichen. Folglich schließt es damit auch ähnliche Stilfiguren (s.oben) mit ein.

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