Was ist eine Synästhesie? – Beispiele, Wirkung & Erklärung

Der Begriff „Synästhesie“ beschreibt ein Stilmittel innerhalb er Literatur, bei dem es zur Vermischung der Sinneseindrücke kommt: Düfte werden gefühlt, Töne geschmeckt. Verwendung findet dieses Stilmittel in allen Gattungen und Epochen, besonders häufig wurde es jedoch während der Romantik vor.

Der Wortursprung liegt im Griechischen: συναισϑάνομαι = synaisthanomai. Übersetzen kann man dies ungefähr mit zugleich wahrnehmen oder mitempfinden. Es sollen also mehrere Sinneseindrücke in einem Text gleichzeitig vemittelt werden.
Schauen wir uns dazu ein Beispiel:

Das nasse Gras klang wie ein Liebeslied.

Hier wird das nasse Gras mit dem Sinneseindruck klingen verbunden. Das Gras klingt wie ein Liebeslied. die Nässe des Grases und das Gras selbst lassen sich allenfalls fühlen und sehen, nicht jedoch hören. Es werden also zwei Sinneseindrücke miteinander verbunden. Dies hat die Wirkung, dass das nasse Gras sinnlich wahrgenommen wird. Das nasse Gras, was man bloß sieht oder fühlt, wird sinnlicher, greifbarer, erfahrbarer. es besteht hier eine enge Nähe zu anderen Stilfiguren wie der Metapher.

Ein weiteres Beispiel:

Golden wehn die Töne, süß spricht das Herz.

Der Bewegegung wehen wird die Farbe gold beigestellt, dem Sprechen des Herzens der Geschmack süß. Auch hier werden wieder verschiedene Sinneseindrücke miteinander vermengt. Etwas Gesprochenes kann man nur hören, nicht jedoch schmecken. Das Gesagte wird dadurch zu einem sinnlichen Erlebnis. Ebenso hat das Wehen keine Farbeigenschaft. Durch die Verbindung mit der Farbeigenschaft golden, wird es poetisiert und aufgewertet.

Noch ein Beispiel aus dem Gedicht „Gesang zu zweien in der Nacht“ von Eduard Mörike:

Wie süß der Nachtwind nun die Wiese streift,
Und klingend jetzt den jungen Hain durchläuft.

Neben der Personifikation des Nachtwindes treten hier zwei Synästhesien auf. Das Streifen wird durch den Geschmack süß beschrieben. Der Nachtwind läuft klingend durch die Wiese. Das Streifen wird zu einem Geschmackserlebnis, das Durchwandern wird hörbar gemacht. Beide Sinneseindrücke verschmelzen miteinander und bilden eine neue Einheit.

ein Beispiel von Brentano:

Durch die Nacht, die mich umfangen
Blickt zu mir der Töne Licht

Auch hier steht neben der Synästhesie eine Personifikation sowohl der Nacht als auch der Töne. Das Licht der Töne blickt. Töne haben kein Licht und können nicht blicken. Die Synästhesie schafft es durch diese Kombination jedoch die Wirkung der Töne auf das Lyrische Ich zu veranschaulichen, sie aus der Abstraktheit herauszulösen. Sie werden gerade dadurch für das Lyrische Ich aber auch für den Leser erlebbar, ihre Wirkung auf das Lyrische Ich für den Leser erst nachvollziehbar.
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Hinweis:
Dadurch, dass man mehrere Sinneseindrücke miteinander verbindet, kann es zu einer Verstärkung der Wirkung kommen. Gegenstände, die ansonsten bloß dinglich sind, werden durch die Verwendung einer Synästhesie sinnlich wahrnehmbar, sie werden poetisiert und gefühlsmäßig erfassbar. Sie verlieren ihre Profanität.

Die Synästhesie als Mittel in der Literatur

Die literarische Gattung, in der man dieses Stilmittel am Häufigsten findet ist, und das zeigen die obigen Beispiele schon, die Lyrik. Sie taucht zwar auch in anderen Gattungen auf, sogar in Redewendungen aus dem Alltag (giftiges Grün, warmes Gelb…), jedoch überwiegt ihr Einsatz in der Lyrik.

Die ersten Versuche verschiedene Sinneseindrücke miteinander zu kombinieren entstammen jedoch der Bereich der Musik. Anasthasius Kircher erfand im 17.Jahrhundert eine sogenannte Augenorgel. Der Zweck dieser Augenorgel war es, das akustische Erlebnis mit dem Sehapparat zu verbinden und so die Musik quasi nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar zu machen. Mittels einer Taste wurde ein Mechanismus aktiviert, der ein Farbspiel aktivierte.

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Die Synästhesie ist jedoch keineswegs eine Stilfigur, die es erst seit dem 19. Jahrhundert gibt. Bereits antike Autoren wie Vergil bedienten sich ihrer. Sie blieb jedoch bis zum Barock ein Randphänomen. Erst mit dem Barock und dann mit der Romantik wurde sie zu einem der zentralen charakteristischen Stilmittel innerhalb der Lyrik.

Funktion und Wirkweise der Synästhesie

Auch wenn Stilmittel immer unterschiedliche Wirkungen haben können, je nachdem wie der Autor sie verwendet, lassen sich doch bestimmte Grundwirkungen aufzeigen, die für eine Synästhesie charakteristisch sind.
Mittels einer Synästhesie werden verschiedene Sinneseindrücke (riechen, hören, fühlen…) miteinander verbunden. Es wird ein Sinnesorgan, das Auge, das Ohr etc. angesprochen und mit den Eindrücken eines anderen Sinnesorgans verbunden.

Dies kann zum Einen einer tatsächlichen doppelten Empfindung des Lyrischen Ichs entsprechen, ganz real und praktisch. Zum Anderen kann die Synästhesie aber auch herangezogen werden, um Empfindungen zu verstärken, zu verdeutlichen, sowohl im methaphorischen als auch im konkreten Sinn. Durch den Einsatz einer Synästhesie werden diese Sinneseindrücke, Empfindungen und Objekte peotisiert und erst für den Leser oder Zuhörer anschaulich und verstehbar gemacht. Er kann die Empfindungen des Lyrischen Ichs nachempfinden und verstehen.
Die Synästhesie bewirkt eine Verstärkung der üblichen Sinneseindrücke, die bei dem Objekt in einer Metaebene semantisch schon mitschweben. So kann ein lebloses Objekt auf einer sinnlich erfahrbar gemacht werden. Dies rückt die Synästhesie auch deutlich in die nähe der Personifikation.

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