
- Ein Zeugma (das Zeugma, Plural: Zeugmata) ist ein Stilmittel, bei dem sich ein Wort – meist das Verb – auf mehrere Satzteile bezieht, aber nur zu einem davon richtig passt.
- Typisch: Das Verb wird einmal wörtlich und einmal übertragen verstanden: „Er hob sein Glas und seine Stimme.“
- Wirkung: Überraschung, Komik, Ironie; der Leser stolpert kurz und denkt nach.
- Abgrenzung: Bei der Ellipse fehlt einfach ein Wort, das man problemlos ergänzen kann. Beim Zeugma „knirscht“ es, weil das gemeinsame Wort nicht zu beiden Teilen passt.
Zeugmata begegnen dir in Satire, Werbung, Kabarett und in Romanen, die mit Sprache spielen. In einer Textanalyse fallen sie oft auf, weil ein Satz plötzlich schief klingt – genau das ist gewollt. Hier lernst du, wie du ein Zeugma sicher erkennst, wie es sich von der Ellipse unterscheidet und wie du seine Wirkung treffend beschreibst.
Definition: Was ist ein Zeugma?
Das Wort kommt aus dem Griechischen: zeugma heißt „Joch“ oder „das Zusammengespannte“. Wie ein Joch zwei Ochsen zusammenspannt, spannt ein Zeugma zwei oder mehr Satzteile vor ein einziges Wort. Meist ist dieses gemeinsame Wort das Prädikat (Verb), manchmal auch ein Adjektiv oder eine Präposition.
Entscheidend ist: Das gemeinsame Wort passt nicht zu allen Satzteilen gleich gut – entweder inhaltlich (es hat in jedem Teil eine andere Bedeutung) oder grammatisch (es passt nur in einer Form zu einem der Teile). Achtung beim Artikel: Es heißt das Zeugma, nicht „die“ oder „eine“ Zeugma.
Die zwei Arten des Zeugmas
1. Semantisches Zeugma (Bedeutungs-Zeugma)
Das ist die Form, die du in der Schule am häufigsten findest. Das Verb ist grammatisch korrekt mit beiden Satzteilen verbunden, hat aber jeweils eine andere Bedeutung: einmal konkret, einmal übertragen. Grundlage ist fast immer ein mehrdeutiges Wort (Fachbegriff: polysem).
- Ich heiße Hans und Sie herzlich willkommen. (heißen = einen Namen tragen / willkommen heißen)
- Er strickte einen Pullover und viele Lügen. (stricken = mit Wolle / sich etwas ausdenken)
- Sie verlor ihren Schlüssel und die Geduld.
- Er schlug die Scheibe und den Weg nach Hause ein.
- Er trat die Tür ein und den Rückweg an.
- Die Lehrerin brach ihr Schweigen und einen Bleistift.
2. Grammatisches (syntaktisches) Zeugma
Hier passt das gemeinsame Wort nur in der grammatischen Form zu einem der Teile. Beim zweiten Teil müsste man eigentlich eine andere Form ergänzen. Streng genommen ist der Satz dann fehlerhaft – in Alltagstexten ist das ein Stilfehler, in literarischen Texten kann es Absicht sein.
- Er ist gestern angekommen und seinen Freund besucht. (richtig wäre: ist angekommen und hat besucht)
- Ich habe das Buch gelesen und die Kinder auch. (unklar: haben die Kinder das Buch gelesen oder wurden sie gelesen? Das Missverständnis wirkt komisch.)
Zeugma, Ellipse oder Syllepse? Der Unterschied
Das Zeugma gehört zu den Stilmitteln der Kürze (Fachbegriff: Brachylogie), weil ein Wort für mehrere Satzteile genügt. Deshalb wird es oft mit der Ellipse verwechselt. Die folgende Tabelle hilft dir bei der Abgrenzung.
| Stilmittel | Was passiert? | Beispiel |
|---|---|---|
| Ellipse | Ein Wort fehlt und lässt sich ohne Bruch ergänzen. | Ich gehe ins Kino, du [gehst] ins Theater. |
| Zeugma | Ein Wort gilt für mehrere Teile, passt aber nicht zu allen gleich (Bedeutung oder Grammatik). | Sie verlor den Schlüssel und die Nerven. |
| Syllepse | Wird in vielen Schulbüchern gleichbedeutend mit dem grammatischen Zeugma verwendet. | Er ist angekommen und seinen Freund besucht. |
| Aposiopese | Der Satz bricht ab, der Rest wird verschwiegen. | Warte nur, wenn ich dich erwische … |
Der Probe-Trick: Ergänze das fehlende Wort im zweiten Teil. Klingt der Satz danach ganz normal und es ändert sich nichts an der Bedeutung, ist es eine Ellipse. Ändert sich die Bedeutung des Verbs oder müsstest du eine andere Form einsetzen, ist es ein Zeugma.
Wirkung und Funktion des Zeugmas
Ein Stilmittel hat nie nur eine einzige Wirkung – sie hängt vom Zusammenhang ab. Beim Zeugma lassen sich aber typische Funktionen beschreiben:
- Überraschung: Der Leser erwartet beim zweiten Satzteil dieselbe Bedeutung und wird überrumpelt. Er muss kurz innehalten.
- Komik und Wortwitz: Das Nebeneinander von Konkretem und Abstraktem („Glas“ und „Stimme“) wirkt witzig. Deshalb lieben Kabarett, Satire und Werbung das Zeugma.
- Ironie und Kritik: Wer Unvereinbares verbindet, kann Widersprüche entlarven: „Er nahm seinen Hut und Abschied von seinen Prinzipien.“
- Verdichtung: Zwei Gedanken werden in einem Satz kompakt verbunden; der Text wirkt knapp und pointiert.
- Charakterisierung: Legt ein Autor einer Figur Zeugmata in den Mund, wirkt sie schlagfertig, witzig oder auch zerstreut.
So erkennst und analysierst du ein Zeugma
- Gemeinsames Wort suchen: Gibt es ein Verb (oder Adjektiv), das sich auf zwei oder mehr Satzteile bezieht? Häufig sind die Teile mit „und“ verbunden.
- Einzeln testen: Bilde zu jedem Teil einen eigenen Satz: „Er hob sein Glas.“ / „Er hob seine Stimme.“
- Bedeutung vergleichen: Bedeutet das Verb in beiden Sätzen dasselbe? Wenn nein: semantisches Zeugma.
- Grammatik prüfen: Müsste im zweiten Teil eine andere Form stehen (z. B. „hat“ statt „ist“)? Dann: grammatisches Zeugma.
- Wirkung im Kontext deuten: Ist die Stelle witzig, ironisch, kritisch? Was sagt sie über die Figur oder die Haltung des Autors?
- Jede Ellipse für ein Zeugma halten – nur wenn das gemeinsame Wort nicht richtig zu beiden Teilen passt, ist es ein Zeugma.
- „die Zeugma“ schreiben – richtig ist das Zeugma, Plural die Zeugmata (seltener: Zeugmen).
- Nur benennen, nicht deuten: „Hier ist ein Zeugma“ reicht nie. Erkläre immer, was der Bedeutungswechsel bewirkt.
Übungssätze mit Lösung
Prüfe, ob ein Zeugma vorliegt. Die Lösung steht dahinter.
- Er zog die Jacke an und die Aufmerksamkeit auf sich. – Zeugma (anziehen: Kleidung / Aufmerksamkeit)
- Anna fährt nach Berlin, Tom nach Hamburg. – Ellipse (fährt wird ohne Bedeutungswechsel ergänzt)
- Der Minister legte seinen Mantel und sein Amt nieder. – Zeugma (ablegen / zurücktreten)
- Sie machte die Tür und einen guten Eindruck. – Zeugma, aber holprig: „die Tür machen“ ist umgangssprachlich; das zeigt, dass Zeugmata oft absichtlich schräg klingen.








