
- Ein Homoioteleuton (griech. „gleich endend“) liegt vor, wenn mehrere Wörter, Satzteile oder Verse mit derselben Silbe oder Endung aufhören.
- Beispiel: „Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen.“ oder der Werbespruch „Quadratisch. Praktisch. Gut.“
- Anders als beim Reim muss die gleiche Endung nicht betont sein – oft sind es grammatische Endungen wie -ung, -isch, -end, -t.
- Wirkung: Klang, Rhythmus, Einprägsamkeit; Aussagen wirken zusammengehörig und eingängig.
Das Homoioteleuton ist eines der ältesten Klangmittel der Rhetorik und steckt in vielen Sprichwörtern und Werbeslogans. Der Name ist lang, die Idee dahinter ist einfach: Gleiche Enden erzeugen einen Gleichklang. Hier erfährst du, wie du es erkennst, wie es sich von verwandten Stilmitteln unterscheidet und wie du seine Wirkung in einer Analyse beschreibst.
Definition und Herkunft
Das Wort stammt aus dem Altgriechischen: homoios bedeutet „gleich“, teleutē „Ende“. Schon Aristoteles beschreibt in seiner Rhetorik Satzglieder, die gleich ausklingen. Gesprochen wird es etwa „Ho-moi-o-te-LEU-ton“. Es heißt das Homoioteleuton, der Plural lautet Homoioteleuta. Andere Schreibweisen sind Homöoteleuton oder Homoeoteleuton.
Ein Homoioteleuton liegt vor, wenn aufeinanderfolgende oder parallel gebaute Wörter beziehungsweise Satzglieder mit gleich klingenden Endsilben schließen. Häufig sind das gleiche grammatische Endungen, etwa wenn mehrere Partizipien, Adjektive oder Verben in derselben Form hintereinanderstehen.
Homoioteleuton, Reim, Epipher, Alliteration: der Unterschied
Das Homoioteleuton hat viele Verwandte. Die Grafik zeigt, wo im Wort oder Satz die Wiederholung jeweils sitzt.
| Stilmittel | Was wiederholt sich? | Beispiel |
|---|---|---|
| Homoioteleuton | gleiche Endsilbe oder Endung, auch unbetont | lachend, singend, tanzend kamen sie herein |
| Endreim | Gleichklang ab dem letzten betonten Vokal am Versende | Herz – Schmerz |
| Binnenreim | Reim innerhalb eines Verses | Wie gewonnen, so zerronnen. |
| Epipher | ganzes Wort oder Wortgruppe am Ende | Er war allein, sie war allein. |
| Alliteration (auch Homoiarkton) | gleicher Anlaut am Wortanfang | Milch macht müde Männer munter. |
Beispiele für das Homoioteleuton
- Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. (dazu Alliteration „mitge-“)
- Wie gewonnen, so zerronnen.
- Träume sind Schäume.
- Gesagt, getan.
- Quadratisch. Praktisch. Gut.
- Geprüft, getestet, empfohlen – hier enden nur die ersten beiden gleich; achte genau darauf, welche Wörter wirklich gleich ausklingen.
- Gesundheit, Sicherheit, Zufriedenheit – das wünschen wir Ihnen.
- „Veni, vidi, vici.“ (Ich kam, ich sah, ich siegte.) – Caesar zugeschrieben: gleiche Endung -i, dazu Alliteration und ein Trikolon.
- Wir brauchen Bildung, Förderung und Ermutigung. – typisch für politische Reden.
- Erschöpft, enttäuscht, entmutigt saß er da.
Wirkung und Funktion
Wie bei jedem Stilmittel hängt die genaue Wirkung vom Text ab. Typisch sind diese Funktionen:
- Einprägsamkeit: Gleiche Enden bleiben im Ohr. Deshalb nutzen Sprichwörter und Werbung das Homoioteleuton so gern.
- Rhythmus und Klang: Der Text bekommt einen Takt, beim Vorlesen kann er fast liedhaft wirken.
- Zusammengehörigkeit: Die gleich endenden Wörter wirken wie eine Einheit oder Reihe. Inhalte werden verbunden oder als gleichwertig dargestellt.
- Nachdruck: In Reden verstärkt der Gleichklang die Aussage, besonders in Kombination mit einer Aufzählung (Akkumulation) oder einem Trikolon.
- Ironie: Übertrieben viele gleiche Endungen können auch gekünstelt und spöttisch wirken.
So analysierst du ein Homoioteleuton
- Laut lesen: Achte darauf, ob mehrere Wörter hintereinander gleich ausklingen.
- Endungen markieren: Unterstreiche die gleichen Endsilben (z. B. -ung, -isch, -end).
- Abgrenzen: Ist ein ganzes Wort wiederholt (Epipher)? Ist es ein Endreim am Versende? Oder gleiche Endungen in einer Reihe (Homoioteleuton)?
- Kombinationen erkennen: Oft tritt es mit Alliteration, Trikolon oder Parallelismus auf.
- Wirkung deuten: Was wird durch den Gleichklang verbunden, betont oder eingängig gemacht?
- „die Homoioteleuton“ schreiben – richtig ist das Homoioteleuton.
- Ein ganzes wiederholtes Wort als Homoioteleuton bezeichnen – das ist eine Epipher.
- Nur die Endungen benennen und die Wirkung vergessen.








