Was ist eine Polyptoton? – Beispiele, Wirkung & Erklärung

Der Begriff „Polyptoton“ bezeichnet eine literarische Stilfigur, die in allen Gattungsformen der Literatur zu finden ist. Im Kern bezeichnet diese Figur die Tatsache, dass ein Wort in verschiedenen Flexionsformen (Beugungsformen) wiederholt wird. Der Stamm des Wortes bleibt somit erhalten, nur die Endungen werden verändert. In seiner Form ähnelt es daher dem Stilmittel der figura etymologica. Dies unterschiedet beide von den unter dem Begriff „Tropen“ eingeordnete Stilmittel, bei denen die unterschiedliche Stellung eines Wortes, statt des Gebrauchs mehrere im Mittelpunkt steht.

Wortursprung

Der Ursprung des Begriffs „Polyptoton“ liegt im Griechischen: πολύς (Polis), was so viel wie viel bedeutet und πτῶσις (Ptosis), das sich mit Fall oder Kasus übersetzen lässt. Zusammengenommen kann man den Begriff also mit Vielfall oder viele Kasus übersetzen. Somit wird deutlich, was es mit dieser Stilfigur auf sich hat: im Zentrum stehen verschiedene Fälle eines Wortes, die in ein und demselben Satz auftauchen.
Im Folgenden wollen wir dies mit der Hilfe einiger Beispiele etwas deutlicher hervorheben:

Erstes Beispiel:

Steigen wir ein mit einem bekannten Zitat des Philosophen David Hume:
Homo homini lupus. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

Die beiden Wörter, um dies es geht und die das Polyptoton darstellen wurden markiert: Mensch und Menschen. Das Wort Mensch taucht in diesem Satz zwei mal auf. Ein mal als Subjekt des Satzes im Nominativ und dann in der Form „Menschen“ als Dativobjekt. Es finden sich hier somit zwei Flexionsformen des Wortes Mensch. Das Wort Mensch wurde damit auf engstem Raum in zwei verschiedenen Beugungsformen angewandt und so ein Polyptoton gebildet.

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Zweites Beispiel:

„Wenn Hass dem Hass begegnet“

Dieses aus Schillers Maria Stuart stammende Zitat funktioniert nach dem gleichen Schema. Hier taucht das Wort Hass in ein und dem gleichen Satz in verschiedenen Flexionsformen auf, wieder als Subjekt des Satzes und als Dativobjekt.

Drittes Beispiel:

„Sie treiben einen Mummenschanz, um einem Mummenschanz beizuwohnen.“ (Handke, Publikumsbeschimpfung, S.28).

Auch hier wird das Wort Mummenschanz in ein und demselben Satz in unterschiedlichen Flexionsarten gebraucht und so ein Polyptotn erzeugt.

Viertes Beispiel:

„Als bester Freund haben ich meinem Freund etwas über die Bedeutung von Freundschaft erzählt.“

Ein letztes Beispiel für die Anwendung eines Polyptotons: Das Wort Freund wird sowohl als Subjekt sowie als Objekt benutzt, der Stamm des Wortes bleibt erhalten, nur seine Flexionsart ändert sich.
Noch deutliche wird es, wenn man ein Verb in seinen verschiedenen Flexionsformen innerhalb eines Satzes öferts wiederholt:

„Ich sage dir, dass ich ihm gesagt habe, er solle dir sagen, dass er keine Zeit hat.“

Polyptoton und figura etymologica – Abgrenzung:

Es gibt verschiedene Stilmittel, bei denen die Wiederholung eines Wortes, einer Ausdrucks im Zentrum stehen. Das Polyptoton ist dabei jedoch am engsten mit der figura etymologica verwandt. Letztere lässt sich als ein Spezialfall eines Polyptotons beschreiben.

Nehmen wir folgenden Satz als aus dem Erlkönig als weiteres Beispiel:

Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;

Der Ausdruck „Spiele spielen“ wäre ein Beispiel für eine solche figura etymologica. Bei diesem Stilmittel werden Wörter unmittelbar wiederholt, die den gleichen oder einen ähnliche Wortstamm haben, jedoch unterschiedlichen Wortarten angehören, meistens, und si auch hier: Substantiv und Verb.

Wirkung und Funktions eines Polyptotons

Zwar ist zu beachten, dass die Wirkung und Funktion von Stilmitteln immer vom jeweiligen konkreten Textkontext, innerhalb dessen sie gebraucht werden abhängen. Auch kann der Autor bewusst mit diesen spielen und so eine andere Wirkung hervor zu rufen versuchen, dennoch kann man einige grundlegende Aussagen über Funktion und Wirkung festhalten:

Wie auch bei den anderen Stilmitteln, die die Wiederholung eines Wortes zum Inhalt haben, bewirkt das Polyptoton eine Verstärkung der Aussage. Die Dringlichkeit der Aussage wird deutlich markiert. Der Autor oder Sprecher lenkt ganz bewusst die Aufmerksamkeit auf diese Wörter und deren Bedeutung.

Als Sonderfall des Polyptotons fungiert die figura etymologica als kognates Objekt: es drückt einen Zustand oder ein Ereignis aus, semantisch ist es mit dem Verb verwandt. Zum Beispiel: Überlieferungen überliefern oder einen Schlaf schlafen, sein Leben leben, einen Kampf kämpfen und so weiter.

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