
- Das Polyptoton (griech. „vielfach gebeugt“) ist die Wiederholung desselben Wortes in verschiedenen Formen, meist in unterschiedlichen Fällen (Kasus).
- Beispiele: „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“, „das Buch der Bücher“.
- Wirkung: Das Wort wird betont, oft entsteht eine Steigerung („König der Könige“) oder eine Gegenüberstellung (Mensch gegen Mensch).
- Nicht verwechseln mit der Figura etymologica: Dort stehen verschiedene Wörter mit demselben Stamm zusammen („Spiele spielen“).
Das Polyptoton klingt kompliziert, begegnet dir aber in vielen bekannten Redewendungen. Es ist eine besondere Form der Wiederholung: Ein Wort taucht noch einmal auf, aber in veränderter Form. Hier erfährst du, wie du das Stilmittel erkennst, wie du es von ähnlichen Figuren unterscheidest und was du in der Analyse über seine Wirkung schreiben kannst.
Definition und Herkunft
Der Begriff stammt aus dem Griechischen: polýs heißt „viel“, ptōsis „Fall“ im Sinne von Kasus. Ein Polyptoton liegt vor, wenn ein und dasselbe Wort in kurzem Abstand in verschiedenen Flexionsformen erscheint. Bei Nomen sind das unterschiedliche Fälle oder Singular und Plural, bei Verben unterschiedliche Personen, Zeiten oder Modi. Es heißt das Polyptoton.
Welche Fälle es im Deutschen gibt, kannst du im Artikel Die 4 Fälle einfach erklärt nachlesen.
Beispiele für das Polyptoton
| Beispiel | Formen | Wirkung |
|---|---|---|
| „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.“ (lat. homo homini lupus, nach Plautus, bekannt durch Thomas Hobbes) | Nominativ und Dativ | Mensch steht gegen Mensch, der Konflikt wird hörbar |
| „das Buch der Bücher“ (für die Bibel) | Singular und Genitiv Plural | Steigerung: das wichtigste aller Bücher |
| „König der Könige“ | Singular und Genitiv Plural | höchster Rang, feierlich |
| „von Angesicht zu Angesicht“ | gleiche Form, aber nicht gebeugt | kein Polyptoton, sondern einfache Wiederholung |
| „Er kam, er kommt und er wird immer kommen.“ | Präteritum, Präsens, Futur | Beständigkeit über alle Zeiten hinweg |
| „Ich liebe, du liebst, wir lieben.“ | verschiedene Personen | das Gefühl verbindet alle Beteiligten |
„Freund half dem Freund, und des Freundes Dank war groß.“
Das Wort „Freund“ erscheint im Nominativ, Dativ und Genitiv. Das Polyptoton betont die enge Gegenseitigkeit der Freundschaft: Jeder ist für den anderen da.
Abgrenzung zu ähnlichen Stilmitteln
| Stilmittel | Was wird wiederholt? | Beispiel |
|---|---|---|
| Polyptoton | dasselbe Wort in anderer Beugungsform | „das Buch der Bücher“ |
| Figura etymologica | verschiedene Wörter mit gleichem Stamm, meist Nomen + Verb | „Gar schöne Spiele spiel ich mit dir“ (Goethe, „Erlkönig“) |
| Repetitio / Geminatio | dasselbe Wort in gleicher Form | „Mein Vater, mein Vater“ |
| Paronomasie (Wortspiel) | ähnlich klingende Wörter mit anderer Bedeutung | „Lieber arm dran als Arm ab“ |
Welche Wirkung hat das Polyptoton?
- Betonung: Das wiederholte Wort steht im Mittelpunkt der Aussage.
- Steigerung: Formen wie „Buch der Bücher“ oder „Held der Helden“ heben etwas über alle anderen hinaus.
- Gegenüberstellung: Steht das Wort einmal als Subjekt und einmal als Objekt, entsteht ein Gegeneinander oder Miteinander („Mensch gegen Mensch“).
- Gegenseitigkeit: Beziehungen werden als wechselseitig dargestellt („Hand in Hand“, „einer dem anderen“).
- Einprägsamkeit und Klang: Die ähnlichen Formen klingen fast gleich und bleiben deshalb gut im Ohr, was man auch in Sprichwörtern und Werbung nutzt.
- Kunstvoller Stil: Das Spiel mit Formen wirkt gebildet und durchdacht.
So analysierst du ein Polyptoton
- Wortwiederholung finden, bei der sich die Endung oder Form verändert.
- Formen bestimmen: Welche Fälle, Zahlen, Personen oder Zeiten liegen vor?
- Abgrenzen: Ist es wirklich dasselbe Wort (Polyptoton) oder nur derselbe Stamm (Figura etymologica)?
- Wirkung erklären: Betonung, Steigerung, Gegenüberstellung, Gegenseitigkeit?
- Mit dem Inhalt verbinden: Warum ist gerade dieses Wort für die Aussage so wichtig?
„Im Satz ‚Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf‘ liegt ein Polyptoton vor: Das Wort ‚Mensch‘ erscheint einmal im Nominativ und einmal im Dativ. Der Mensch ist hier zugleich Täter und Opfer. Durch die Wiederholung desselben Wortes wird deutlich, dass die Gefahr für den Menschen nicht von außen kommt, sondern von seinesgleichen.“








