Kasus: Die 4 Fälle beim Nomen einfach erklärt (mit Eselsbrücke und Tabellen)

Kasus

Aktualisiert: Oktober 2026 · Fach: Deutsch

Kurz erklärt

  • Das Deutsche hat vier Fälle (Kasus): Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ.
  • Du findest den Fall mit einer Frage: Wer oder was? (Nominativ), Wessen? (Genitiv), Wem? (Dativ), Wen oder was? (Akkusativ).
  • Der Fall zeigt sich vor allem am Artikel: der Hund – des Hundes – dem Hund – den Hund.
  • Den Fall bestimmen das Verb (helfen + Dativ) oder eine Präposition (mit + Dativ, für + Akkusativ, wegen + Genitiv).
  • Eselsbrücke: Wer – wessen – wem – wen in der Reihenfolge 1 bis 4.

Die Fälle zeigen, welche Rolle ein Nomen im Satz spielt: Wer handelt, wem etwas gegeben wird, was betroffen ist und wem etwas gehört. Wenn du die Fälle beherrschst, wählst du die richtigen Artikel und Endungen und kannst Sätze wie „Ich helfe dem Mann“ sicher von „Ich sehe den Mann“ unterscheiden.

Was ist ein Kasus?

„Kasus“ ist das lateinische Wort für „Fall“, die Mehrzahl heißt ebenfalls „Kasus“ (mit langem u). Nomen, Artikel, Adjektive und Pronomen verändern ihre Form je nach Fall. Diese Veränderung heißt Deklination. Mehr dazu findest du im Artikel konjugierbar, deklinierbar, flektierbar.

Ein Satz – alle vier FälleDer Manngibtdem Mädchendas Buchseines Vaters.NominativWer gibt?SubjektPrädikatDativWem gibt er es?DativobjektAkkusativWen oder was?AkkusativobjektGenitivWessen Buch?GenitivattributTipp: Erst das Prädikat suchen, dann mit dem Verb die Fallfrage stellen.„Wem gibt der Mann das Buch?“ – nicht nur „Wem?“ allein
Infografik: Jedes farbige Satzglied steht in einem anderen Fall. Die Fallfrage stellst du immer zusammen mit dem Verb.

Die vier Fälle im Überblick

Fall Frage Aufgabe im Satz Beispiel
1. Nominativ Wer oder was? Subjekt: wer etwas tut oder ist Der Hund bellt.
2. Genitiv Wessen? Zugehörigkeit, Besitz der Napf des Hundes
3. Dativ Wem? Dativobjekt: Empfänger, Nutznießer Ich gebe dem Hund Futter.
4. Akkusativ Wen oder was? Akkusativobjekt: das Betroffene Ich sehe den Hund.

So bestimmst du den Fall

  1. Prädikat finden: Suche das gebeugte Verb, zum Beispiel „schenkt“.
  2. Steht eine Präposition davor? Dann bestimmt die Präposition den Fall („mit dem Rad“ = Dativ).
  3. Fallfrage mit dem Verb stellen: „Wem schenkt Lea etwas?“ – „dem Bruder“ = Dativ.
  4. Mit dem Artikel prüfen: Setze ein männliches Nomen ein. „der“ = Nominativ, „des“ = Genitiv, „dem“ = Dativ, „den“ = Akkusativ.
Steht eine Präposition davor?janeinPräposition bestimmtmit, bei, aus → Dativfür, ohne, gegen → AkkusativFallfrage mit dem VerbWer?Nom.Wessen?Gen.Wem?Dat.Wen?Akk.Wechselpräpositionen(in, an, auf …):Wo? → Dativ, Wohin? → Akk.Zur Kontrolle: Artikel der / des / dem / den einsetzen
Infografik: Erst nach einer Präposition schauen, dann die Fallfrage mit dem Verb stellen.

1. Fall: Nominativ (Wer oder was?)

Im Nominativ steht das Subjekt, also wer oder was etwas tut oder ist. Im Wörterbuch stehen Nomen immer im Nominativ Singular, deshalb heißt er auch Grundform. Auch nach „sein“, „werden“ und „bleiben“ steht der Nominativ: „Mein Bruder ist ein guter Sportler.“

BeispielDie Lehrerin erklärt die Aufgabe. – Wer erklärt die Aufgabe? Die Lehrerin.
Das Fahrrad steht im Keller. – Was steht im Keller? Das Fahrrad.

2. Fall: Genitiv (Wessen?)

Der Genitiv zeigt Zugehörigkeit oder Besitz. Männliche und sächliche Nomen bekommen im Singular meist die Endung -s oder -es, weibliche Nomen und der Plural bekommen keine Endung.

Beispieldas Handy meines Bruders · das Dach des Hauses · die Tasche der Lehrerin · die Spielsachen der Kinder

Die Endung -es steht vor allem bei Wörtern, die auf einen s-Laut enden (des Hauses, des Fußes, des Kreuzes), und oft bei einsilbigen Wörtern (des Tages, des Kindes). Einige Präpositionen verlangen den Genitiv, besonders in der Schriftsprache: wegen, während, trotz, statt, innerhalb, außerhalb, aufgrund. Im Alltag wird hier oft der Dativ benutzt. Warum, erklärt der Artikel „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“.

3. Fall: Dativ (Wem?)

Im Dativ steht meist die Person, der etwas gegeben, gesagt oder geholfen wird. Im Plural bekommt das Nomen im Dativ ein -n, wenn es nicht schon auf -n oder -s endet: den Kindern, den Freunden, aber den Autos.

BeispielIch helfe meiner Oma. · Das Eis schmeckt dem Kind. · Wir danken den Helfern.

Verben mit Dativ: helfen, danken, gehören, gefallen, schmecken, antworten, vertrauen, folgen, gratulieren.
Präpositionen mit Dativ: aus, bei, mit, nach, seit, von, zu, gegenüber. Merksatz: „Aus, bei, mit, nach, seit, von, zu – mit dem Dativ bleibst du.“

4. Fall: Akkusativ (Wen oder was?)

Im Akkusativ steht das, worauf sich die Handlung direkt richtet. Nur beim männlichen Artikel siehst du den Unterschied zum Nominativ deutlich: der → den, ein → einen.

BeispielIch besuche den Freund. · Sie kauft einen Pullover. · Wir sehen die Berge.

Präpositionen mit Akkusativ: durch, für, gegen, ohne, um. Merkwort: „DOGFU“ (durch, ohne, gegen, für, um).

Wechselpräpositionen: in, an, auf, über, unter, vor, hinter, neben, zwischen. Fragst du „Wo?“, steht der Dativ: „Das Buch liegt auf dem Tisch.“ Fragst du „Wohin?“, steht der Akkusativ: „Ich lege das Buch auf den Tisch.“

Deklinationstabellen

Fall männlich weiblich sächlich Plural
Nominativ der Hund die Katze das Pferd die Hunde
Genitiv des Hundes der Katze des Pferdes der Hunde
Dativ dem Hund der Katze dem Pferd den Hunden
Akkusativ den Hund die Katze das Pferd die Hunde
Fall männlich weiblich sächlich
Nominativ ein Hund eine Katze ein Pferd
Genitiv eines Hundes einer Katze eines Pferdes
Dativ einem Hund einer Katze einem Pferd
Akkusativ einen Hund eine Katze ein Pferd

Sonderfall: Nomen mit -n und -en (n-Deklination)

Einige männliche Nomen bekommen in allen Fällen außer dem Nominativ Singular die Endung -n oder -en. Dazu gehören viele Wörter auf -e und Wörter auf -ent, -ant, -ist, -at:

Beispielder Junge – des Jungen – dem Jungen – den Jungen
der Student – des Studenten – dem Studenten – den Studenten
der Elefant, der Polizist, der Soldat, der Nachbar, der Mensch, der Held
Typische Fehler: „Ich helfe den Mann“ (richtig: dem Mann, denn helfen + Dativ). „Wegen dem Regen“ in einem Aufsatz (besser: wegen des Regens). „Dem Student“ (richtig: dem Studenten). Fallfrage ohne Verb stellen und dadurch das falsche Satzglied erwischen. Unsicher bei „dem oder den“? Lies den oder dem: Wann ist was richtig?

Eselsbrücken

  • Reihenfolge der Fragen: Wer – wessen – wem – wen. Die Fragen werden von Fall zu Fall nur leicht verändert.
  • Merksatz: „Normal werden Genitive wesentlich bevorzugt, da von irgendwem die Akkusative entwendet wurden.“ Darin stecken alle Fallnamen und Fragen.
  • Artikelreihe männlich: der – des – dem – den. Einfach laut aufsagen, bis es sitzt.

Häufige Fragen

Warum ist der Genitiv der 2. Fall, obwohl er so selten ist?
Die Reihenfolge stammt aus der lateinischen Grammatik und ist Tradition. In manchen Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache wird der Genitiv deshalb zuletzt gelernt.
Was ist der Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ?
Der Dativ antwortet auf „Wem?“ und bezeichnet meist den Empfänger. Der Akkusativ antwortet auf „Wen oder was?“ und bezeichnet das, was direkt betroffen ist. Probe: „Ich gebe dem Freund (Dativ) den Ball (Akkusativ).“
Haben auch Pronomen Fälle?
Ja: ich – meiner – mir – mich, du – deiner – dir – dich, er – seiner – ihm – ihn.
Gibt es nur vier Fälle?
Im heutigen Deutsch ja. Andere Sprachen haben mehr, Latein zum Beispiel sechs, Finnisch über ein Dutzend.

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