Weiterzuentwickeln oder weiter zu entwickeln – was ist richtig?

Weiterzuentwickeln oder weiter zu entwickeln

Aktualisiert: Oktober 2026 · Fach: Deutsch

Kurz erklärt

  • Richtig ist in aller Regel „weiterzuentwickeln“ – in einem Wort.
  • „weiterentwickeln“ ist ein trennbares Verb. Beim Infinitiv mit „zu“ steht das „zu“ zwischen „weiter“ und „entwickeln“.
  • Das gilt auch für „sich beruflich weiterzuentwickeln“ und „die Idee weiterzuentwickeln“.
  • Getrennt schreibst du nur, wenn „weiter“ die Steigerung von „weit“ ist: „Das Kind ist sprachlich weiter entwickelt als sein Bruder“ (= fortgeschrittener).

„Ich möchte mich beruflich weiterzuentwickeln“ – oder „weiter zu entwickeln“? Beide Schreibweisen sieht man ständig, in Bewerbungen, Zeugnissen und Schulaufsätzen. Die Frage lässt sich aber eindeutig beantworten, wenn du verstehst, wie das Verb aufgebaut ist.

Die Antwort: „weiterzuentwickeln“

Das Verb lautet im Infinitiv weiterentwickeln. Es bedeutet „etwas verbessern, voranbringen, auf eine höhere Stufe bringen“. Der Duden führt es als ein zusammengeschriebenes Verb. Weil es ein trennbares Verb ist, wird der Infinitiv mit „zu“ so gebildet: weiter + zu + entwickeln = weiterzuentwickeln.

Beispiel

  • Ich habe ein Auslandsjahr gemacht, um meine Englischkenntnisse weiterzuentwickeln.
  • Das Team plant, die App bis zum Sommer weiterzuentwickeln.
  • Es ist wichtig, sich auch nach der Schule weiterzuentwickeln.
  • Die Lehrerin ermutigte uns, unsere Ideen weiterzuentwickeln.

Warum steht das „zu“ in der Mitte?

„weiterentwickeln“ besteht aus drei Bausteinen, die sich ganz unterschiedlich verhalten:

  • weiter ist ein Verbzusatz. Er ist trennbar und wandert im Hauptsatz ans Satzende: „Wir entwickeln das Spiel weiter.“
  • ent- ist eine untrennbare Vorsilbe (ein Präfix). Sie bleibt immer am Verb kleben, so wie bei „entdecken“ oder „entscheiden“.
  • wickeln ist der Wortstamm.

Das „zu“ des Infinitivs schiebt sich bei trennbaren Verben immer zwischen Verbzusatz und Restverb – also hinter „weiter“, aber vor „ent-“. Darum entsteht weiter|zu|entwickeln.

So ist „weiterzuentwickeln“ gebautweiterzuentwickelnVerbzusatztrennbarInfinitiv-zurutscht hineinPräfixuntrennbarStammGrundverbHauptsatz: Wir entwickeln die App weiter.Partizip II: weiterentwickelt (kein „ge-“, wegen „ent-“)
Infografik: Das „zu“ steht hinter dem trennbaren Verbzusatz „weiter“ und vor der untrennbaren Vorsilbe „ent-“.

Alle Formen auf einen Blick

Form Beispiel Schreibung
Infinitiv Wir wollen das Projekt weiterentwickeln. zusammen
Infinitiv mit „zu“ Wir haben vor, das Projekt weiterzuentwickeln. zusammen
Hauptsatz (Präsens) Wir entwickeln das Projekt weiter. getrennt
Hauptsatz (Präteritum) Sie entwickelte ihre Idee weiter. getrennt
Nebensatz …, weil wir das Projekt weiterentwickeln. zusammen
Partizip II / Perfekt Wir haben das Projekt weiterentwickelt. zusammen
Nomen Die Weiterentwicklung dauert ein Jahr. zusammen, groß
Merke: Das Partizip heißt weiterentwickelt, nicht „weitergeentwickelt“. Verben mit der Vorsilbe „ent-“ bekommen nie ein „ge-“: entdeckt, entschieden, entwickelt.

So prüfst du die Schreibung in drei Schritten

  1. Bedeutung prüfen: Meinst du „verbessern, voranbringen, ausbauen“? Dann geht es um das Verb „weiterentwickeln“.
  2. Hauptsatz-Probe: Bilde einen Hauptsatz. Wandert „weiter“ ans Ende („Ich entwickle mich weiter“)? Dann ist es ein trennbares Verb.
  3. Zu-Probe: Bei trennbaren Verben steht „zu“ in der Mitte und alles wird zusammengeschrieben: weiterzuentwickeln.

Wann „weiter entwickeln“ getrennt richtig ist

Getrennt schreibst du nur, wenn „weiter“ kein Verbzusatz ist, sondern die Steigerungsform von „weit“. Das kennst du von „weit entwickelt“ im Sinne von „fortgeschritten“: Ein Land kann wirtschaftlich weit entwickelt sein, ein anderes noch weiter entwickelt. Hier vergleichst du, und „weiter“ wird betont.

Beispiel

  • Mit zwei Jahren war Paula sprachlich schon weiter entwickelt als ihr Cousin. (Vergleich: fortgeschrittener)
  • Die Firma hat ihr Produkt nach Kundenwünschen weiterentwickelt. (verbessert)

In Infinitivsätzen mit „zu“ kommt dieser Vergleich praktisch nie vor. Für Bewerbungen, Aufsätze und E-Mails kannst du dir also merken: weiterzuentwickeln ist die richtige Form.

Andere Verben mit „weiter“

Die meisten Verbindungen mit „weiter“ im Sinne von „fortsetzen, voran“ funktionieren genauso. Sie werden zusammengeschrieben, und das „zu“ steht in der Mitte:

Infinitiv mit „zu“ Beispielsatz
weitermachen weiterzumachen Trotz der Pause beschloss sie, weiterzumachen.
weitergeben weiterzugeben Vergiss nicht, die Nachricht weiterzugeben.
weiterbilden sich weiterzubilden Er hat vor, sich in Informatik weiterzubilden.
weiterleiten weiterzuleiten Bitte denk daran, die E-Mail weiterzuleiten.
weiterempfehlen weiterzuempfehlen Das Buch ist es wert, weiterempfohlen zu werden.
weiterlernen weiterzulernen Nach dem Abendessen fiel es mir schwer, weiterzulernen.

Das gleiche Prinzip kennst du auch von zusammenzuarbeiten, aufzustehen oder anzufangen.

Gegenprobe: Verben, bei denen „zu“ davor steht

Nicht jedes zusammengesetzte Verb nimmt das „zu“ in die Mitte. Bei untrennbaren Verben steht „zu“ als eigenes Wort davor: zu entwickeln, zu verbessern, zu besprechen, zu überlegen. Den Unterschied erkennst du an der Hauptsatz-Probe: „Ich verbessere“ – hier trennt sich nichts. Darum heißt es „zu verbessern“ und nicht „verzubessern“.

Beispiel: trennbar und untrennbar im selben Satz

Um das Fahrrad weiterzuentwickeln, müssen wir zuerst die Bremse zu verbessern versuchen und die Ergebnisse auszuwerten.

Typische Fehler

  • „um mich beruflich weiter zu entwickeln“ – richtig: weiterzuentwickeln.
  • „weitergeentwickelt“ – richtig: weiterentwickelt.
  • „weiter-zu-entwickeln“ mit Bindestrichen – falsch.
  • „die weiter Entwicklung“ – richtig: die Weiterentwicklung.

Formulierungshilfen für Bewerbung und Lebenslauf

Gerade in Bewerbungsschreiben taucht das Wort oft auf. Diese Sätze sind korrekt und klingen gut:

  • „Ich möchte mich fachlich und persönlich weiterentwickeln.“
  • „In Ihrem Unternehmen sehe ich die Chance, meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln.“
  • „Mein Ziel ist es, mich im Bereich Marketing weiterzuentwickeln.“
  • „Während des Praktikums konnte ich meine Kenntnisse in Excel weiterentwickeln.“

Häufige Fragen

Schreibt man „sich weiterentwickeln“ zusammen?
Ja. „Sich weiterentwickeln“ ist ein trennbares, reflexives Verb. Im Hauptsatz trennt es sich („Ich entwickle mich weiter“), sonst schreibst du zusammen: „Ich möchte mich weiterentwickeln“, „um mich weiterzuentwickeln“.
Warum heißt es „weiterentwickelt“ und nicht „weitergeentwickelt“?
Weil das Grundverb „entwickeln“ mit der untrennbaren Vorsilbe „ent-“ beginnt. Solche Verben bilden das Partizip II ohne „ge-“: entwickelt, entdeckt, entschieden.
Ist „weiter zu entwickeln“ jemals richtig?
Nur in sehr seltenen Fällen, wenn „weiter“ ein Vergleich (Steigerung von „weit“) ist. Im normalen Sprachgebrauch und in Bewerbungen ist immer „weiterzuentwickeln“ gemeint.
Wie trenne ich das Wort am Zeilenende?
An den Silbengrenzen: wei-ter-zu-ent-wi-ckeln. „ck“ bleibt dabei zusammen.

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