Was ist eine Aporie? – Beispiele, Wirkung & Merkmale

Die Aporie bezeichnet eine philosophische Unmöglichkeit auf eine Frage, mit bestehendem Widerspruch, eine Antwort zu finden. Wird etwas als aporetisch bezeichnet, so entstehen widersprüchliche, bzw. entgegengesetzte Lösungsansätze, bzw. Ergebnisse. Als rhetorisches Stilmittel wird dann von einer Aporie gesprochen, wenn ein Sprecher nach einer Lösung eines scheinbar ausweglosen Problems sucht. Hier zeigt sich auch die Nähe zur Stilfigur der Dubitatio, bei der zusätzlich von einem offensichtlichen Zweifel an einem konkreten, bestehenden Sachverhalt ausgegangen wird.

Wortherkunft

Etymologisch findet die Aporie ihren Ursprung im Altgriechischen ‚ἀπορία – aporía‘ und wird mit Ausweglosigkeit, Weglosigkeit sowie Ratlosigkeit übersetzt. Wörtlich übersetzt, bedeutet es soviel wie ‚Nicht-Weg‘, von a = nicht und poros = Weg. Mit der Aporie wird demnach ein nicht vorhandener Weg beschrieben. Übertragen auf die Rhetorik meint dies, eine ausweglose Frage, die aufgrund von widersprüchlichen Lösungsansätzen ins Leere, bzw. zu einer Nicht-Lösung führt.

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Die Aporie in der Philosophie

In der Philosophie wird die Aporie unterschiedlich betrachtet. So spricht Sokrates von einer Aporie, wenn er von einer theoretischen Problemstellung ausgeht, die dem eigenen Nichtwissen Raum einräumt. Die klassische Aporie Sokrates‘ (und auch ein typisches Paradoxon) ist hierbei: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Das Stilmittel der Aporie kann sich dabei auch auf ganze Dialoge erstrecken, so führt Sokrates in seinen philosophischen Dialogen seine Gesprächspartner bewusst in die Aporie, um sie ihres Schein- bzw. Nicht-Wissens zu enttarnen und sie so – nach seinem Anspruch – zur Wahrheit und Erkenntnis (über das eigene Nicht-Wissen) zu führen. für Sokrates liegt in der Aporie (und damit auch im Widersprich) die Antwort. Dass die Gesprächspartner in den platonischen Dialogen Sokrates‘ oft am Ende ratlos und auch ausweglos vor einem widersprüchlichen Dilemma stehen, wirkt teilweise unbefriedigend. Doch gerade in dieser Ausweglosigkeit und Ratlosigkeit liegt für Sokrates nicht nur die Aporie, sondern auch die Lösung.

Etwas anders betrachtet Aristoteles in der Philosophie die Aporie. Er erkennt und sieht in dieser eine Aufgabe und zwar einer philosophischen Aufgabe und Überlegung, zu dessen Lösung sich ein Philosoph und Fragender bekennen muss. Die Auflösung der philosophischen Überlegung steht somit für Aristoteles im Vordergrund. Eine Aporie, nach Aristoteles, liegt demnach dann vor, wenn mehrere überzeugende Argumente zu einer Überlegung vorlagen, die jedoch alle zu sich widersprechenden Schlussfolgerungen und somit Lösungsansätzen führen. Diese scheinbare widersprüchlichen Schlussfolgerungen aufzulösen und die philosophische Frage zu einer sich nicht widersprechenden Antwort zu führen, ist, nach Aristoteles, die Kunst der Aporetik.

Neben den aporetischen Dialogen Sokrates‘, ist die wohl bekannteste Aporie die des griechischen Philosophen Zenon von Elea über Achill und die Schildkröte. In diesem humoristischen wie belehrenden Paradoxon tritt Achill, der schnellste Läufer der Antike im Rennen gegen eine, für ihre Langsamkeit bekannte Schildkröte an. Der Sieg, nach bestehenden Argumenten, steht unweigerlich Achill bevor. Selbst wenn er der Schildkröte einen kleinen Vorsprung gewähre. Dass die Schildkröte schließlich als erste über die Zielgeraden schreitet ist das schier unlösliche Paradoxon und damit die Aporie.

Die Aporie als rhetorisches Stilmittel

Als rhetorische Stilfigur greift die Aporie etwas kürzer. Ausgangspunkt ist dabei immer ein Sprecher oder Redner, der sich um die Lösung eines scheinbar unlösbaren Problems bemüht. Die Ratlosigkeit und Ausweglosigkeit der Problemstellung wie auch die Lösung können dabei echt oder fiktiv sein. Eine klassische Aporie in der neuen Literatur ist das Meisterwerk von Bertolt Brecht Der gute Mensch von Sezuan, in dem, selbst, bzw. gerade am Ende, immer noch die Frage offen bleibt, ob es tatsächlich einen guten Menschen in Sezuan gäbe. Die Antwort und somit Lösung der Aporie wird somit unmittelbar an den Leser / Zuschauer und ‚Konsumenten‘ des Stücks herangetragen. Dies verdeutlicht auch der letzte Vers: ‚Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.‚ weiter wird der Mensch und Zuschauer aufgefordert nach einem guten Schluss und damit nach der Auflösung der geschaffenen Aporie zu suchen: ‚Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss! Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!

Das wichtigste in aller Kürze

  • Die Aporie beschreibt ein philosophisches Problem mit scheinbarer ‚Un-Lösung‘
  • Grundlage ist der reale oderfiktiv kreierte Widerspruch, der zu sich widersprechenden Lösungsansätzen führt
  • Mit der Aporetik wird ei Kunst bezeichnet auch auf scheinbar unlösbare Problem- und Fragestellungen eine Antwort zu finden
  • die Aporetik erhebt den Anspruch des Nach- und Durchdenkens
  • In der Aporie gibt es keine richtigen, bzw. falschen Lösungen bzw. Antworten, sondern lediglich Antworten, die naheliegender sind als andere

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