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Was sind fiktionale Texte? – Bedeutung, Merkmale & Beispiele

Was sind fiktionale Texte

Jeder Text erzählt von Geschehnissen. Diese können entweder real, oder erfunden sein. Handelt ein Text von nicht realen Dingen, ist er fiktional. Das Erzählte wird in diesem Fall als fiktiv bezeichnet.

Das Erzählen und das Erzählte

Bei der Bestimmung von Texten unterscheidet man zwischen dem Erzählten, also dem ‚Was?‘ und dem Erzählen, also dem ‚Wie?‘. Das Erzählte ist der Inhalt eines Textes, welcher entweder real oder fiktiv sein kann. Wenn das Erzählte real ist, spricht man von faktualem Erzählen beziehungsweise von einem faktualen Text. Ist das Erzählte fiktiv, wird dies dementsprechend durch fiktionales Erzählen transportiert.

Ein faktualer Text kann beispielsweise ein Zeitungsartikel sein, da dieser über reale Geschehnisse berichtet.

Fiktionale Texte sind zum Beispiel Romane, Märchen, Novellen oder Fabeln, da diese von erfundenen, also fiktiven Ereignissen berichten.

Auf den Punkt gebracht:
Der Text selber ist fiktional oder faktual. (Wie wird erzählt?)
Der Inhalt des Textes ist fiktiv oder real. (Was wird erzählt?)

Kann Reales in fiktionalen Texten auftreten?

Wo sind aber fiktionale Texte einzuordnen, die scheinbar reale Geschehnisse beinhalten? Ein Roman beispielsweise ist ausgedacht und damit fiktional, allerdings kann es vorkommen, dass er von Geschehnissen handelt, die in der realen Welt wirklich passiert sind, oder von Figuren erzählt, die wirklich existiert haben.

Wie ist ein Roman zu definieren, der von einer historischen Figur berichtet? Zwar existiert oder existierte diese Figur auch in der realen Welt, was die Figur innerhalb des Textes sagt oder tut, ist aber nicht real – Der Autor oder die Autorin verwendet sie als eine fiktive Figur. Alles was innerhalb des Romans passiert, hat keinen Anspruch auf Faktualität, also Wahrheit.
Spielt ein fiktionaler Text beispielsweise in Berlin, einer real existierenden Stadt, ist die Beschreibung von Berlin in diesem Fall trotzdem fiktional. Der Text kann durch die von den Leser*innen bekannte Umgebung realer wirken, was sich in dem Text abspielt, bleibt jedoch fiktiv. Berlin existiert in der realen Welt nicht genau so, wie es in dem Text vorkommt. Was sich im Text abspielt, ist in der Realität nie genau so in Berlin passiert und somit ist auch das Berlin innerhalb des Textes fiktiv.

Auf den Punkt gebracht:
Faktuale Texte erheben einen Anspruch auf Wahrheit.
Fiktionale Texte erheben keinen Anspruch auf Wahrheit.

Liest man einen faktualen Text wie einen Zeitungsartikel, geht man also davon aus, dass das Erzählte der Realität entspricht. Jede Behauptung, die hier aufgestellt wird, muss auf belegbaren Quellen basieren.
Liest man einen fiktionalen Text wie einen Roman, geht man wiederum nicht von realen Ereignissen aus, auch wenn er scheinbar reale Inhalte hat. Selbst wenn eine Figur wie etwa Napoleon auftritt, hat der Autor oder die Autorin nie behauptet, dass sich das Erzählte jemals genauso abgespielt hat. Die historische Person Napoleon war in diesem Fall nur die Vorlage für die fiktive Figur Napoleon in dem Roman.

Wird in einem faktualen Text nun etwas erzählt, was nicht der Wahrheit entspricht, spricht man schlichtweg von einer Lüge. Taucht genau dieser Sachverhalt allerdings in einem fiktionalen Text auf, kann es sich nicht um eine Lüge handeln. Und das ganz einfach, weil ein fiktionaler Text keinen Anspruch auf Wahrheit erhebt.

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