Beispiel-Erörterung zum Thema Ganztagsschulen

Ganztagsschulen stoßen bei unterschiedlichen Altersklassen auf sehr stark differenzierte Meinungen. Während jene, die sich im höheren Alter freiwillig in einen Lehrgang oder eine Schule einschreiben lassen, vermehrt für eine Ganztagsschule stimmen, plädieren Kinder und Jugendliche für exakt den umgekehrten Fall. Und trotz meiner großen Wissbegierde und der steten Präsenz dieser Thematik schließe ich mich in dieser Hinsicht dem Nein der jüngeren Generation an.

Was sich gegen die Ganztagsschule stellt

Basierend auf dem Fakt, dass ich beide Rollen – also jene einer Ganztagsschülerin, als auch der des halben Tages – kenne, können Vergleiche aufgestellt werden, die vermehrt gegen eine Ganztagsschule sprechen; auch für Erwachsene. Einerseits möchte hier der Konzentrationsfaktor genannt werden. Auch wissbegierige Menschen erreichen irgendwo einmal einen Punkt, an dem der Kopf einfach nicht mehr mitarbeitet und das Vorgetragene im Hintergrund verschwindet. Die Problematik: diesen Punkt kann man nicht im Vorfeld festlegen, da er zumeist von der eigenen psychischen Verfassung, der körperlichen Gesundheit und der eigenen Einschätzung seines Wissensstandes abhängt, was sich mitunter schlagartig ändern kann. In diesem Fall wird gar nicht wirklich die Chance auf Luftholen gegeben, denn der Vortragende in einer Ganztagsschule unterrichtet auch tatsächlich den ganzen Tag – unabhängig davon in welcher Verfassung sich die Schüler am späteren Nachmittag befinden. Beobachten kann man den Effekt an den Schülern beispielsweise an der Pisa-Studie: viele Schüler empfinden ihr Wissen in einigen Themengebieten als ausreichend und bereiten sich demnach nicht darauf vor; denn schließlich müssen sie sich lediglich auf das konzentrieren, worin ihre Schwächen liegen. Das macht das Auseinandersetzen mit den Stärken uninteressant.

Außerdem spricht sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene ein weiterer Fakt dagegen: die Arbeitswelt. Je mehr Zeit in die Schule investiert wird, umso weniger Zeit bleibt für die beruflichen Wichtigkeiten. Und nicht jeder von uns hat das Glück, vom Vater Staat einen monatlichen Zuschuss für seine Bildung bzw. Weiterbildung zu erhalten. So sind viele Menschen aufgrund der rechtlichen Vorgaben zwar gezwungen, das Themengebiet das sie interessiert, als Ganztagsschüler zu besuchen, kämpfen aber privat mit ihrer Existenz, weil sie dennoch nebenher ihr eigenes Geld verdienen müssen um sich diese zu erhalten. Die Gefahr die hier besteht ist wiederum jene des Konzentrationsmangels, und weiters die der Überarbeitung zu vielleicht erst späterem Zeitpunkt.

Für Jugendliche ergäbe sich ein Vorteil daraus, wenn selbst Schulen wie eine HTL oder andere höhere Lehranstalten auf halbtägigen Unterricht umsteigen würden; denn dann könnten die Schüler nachmittags ihre ersten Erfahrungen im Berufsleben sammeln und sich langsam auf das vorbereiten, was sie nach ihrem Schulabschluss erwartet. Sie hätten die Chance, in unzähligen Unternehmen Probenachmittage oder Praktika zu absolvieren, um einen ersten Einblick in eine Vielzahl von Berufsfeldern zu bekommen; auch unabhängig des Schwerpunktes der Schule. Den Jugendlichen würde es damit viel einfacher fallen, eine Ahnung zu bekommen, wo sie nach der Schule weitermachen, da sie bereits wissen, welche Berufsfelder für sie die Interessantesten sind. Die aktuelle Lage erfordert es jedoch von 13- bis 15-Jährigen, bereits im Vorfeld zu wissen, welchen Beruf sie ausüben wollen, ohne vorher überhaupt irgendeine praktische Idee zu den Berufen zu haben. Es ist, als würde man eine Prüfung zu einem Thema ablegen müssen, von dessen Existenz man zwar weiß, das einem der Unterrichtende vorher aber nie präsentiert hat, und zudem es auch kein Lehrmaterial für zu Hause gibt.

Letztliche Befindung

Fakt ist also, dass eine Ganztagsschule zwar für geistige Hochleistungserbringer durchaus Sinn macht, die jedoch keine finanziellen Probleme bekommen, wenn sie nebenher nicht berufstätig sind. Für Menschen der Mittelklasse aber ist es eher eine heikle Situation, in die sie sich damit begeben. Zumindest die Vereinbarung von Arbeit mit Schule sollte unbedingt gegeben sein.

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Autor(in) des Artikels:

mm
Hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel studiert. Einzelunternehmer seit Mai 2006 & Chefredakteur von Uni-24.de

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