Was ist ein Parallelgedicht? – Aufklärung

Ein Parallelgedicht zu schreiben, ist eine typische Aufgabe im Deutschunterricht. Es wird ein bereits bestehendes, bekanntes Gedicht eines wichtigen Autors zunächst betrachtet und analysiert. Anschließend wird ein selbst ein Gedicht verfasst, ein so genanntes Parallelgedicht, welches dieselbe Struktur aufweisen sollte. Aber wie genau funktioniert das?

Schritt 1: Der Aufbau

Als erstes betrachtet man den Aufbau des Originalgedichts. Dazu werden die Strophe gezählt, die Reimarten wie Kreuzreim, umarmender Reim und Paarreim betrachtet und Besonderheiten wie eine einzeln stehende Zeile notiert. Besonders gelungen wird das Parallelgedicht, wenn auch die Betonung und der Rhythmus des Originalgedichts übernommen werden. Dieser Aufbau sollte notiert werden.

Schritt 2: Der Inhalt

Meistens setzt sich der Inhalt eines Gedichts mit einem Thema auseinander, welches im Parallelgedicht ebenfalls aufgegriffen werden sollte. Allerdings kann es gerade interessant sein, dieses Thema durch einen anderen Blickwinkel kontrovers darzustellen. Wenn es also beispielsweise im Originalgedicht um den Herbst geht und dieser als besonders reizvoll beschrieben ist, so könnte ein Parallelgedicht zwar ebenfalls den Herbst darstellen, ihn aber als besonders düster und unheilvoll ausmalen. Dies ist zwar keine allgemein gültige Regel, aber ein Parallelgedicht mit exakt demselben Inhalt zu schreiben, wirkt häufig sinnlos und abgeschrieben. Wäre hier der Herbst auch als reizvoll beschrieben, sollte zumindest etwas anderes im Fokus stehen.

Schritt 3: Sprachliche Besonderheiten

Den letzten Schliff bekommt das Parallelgedicht durch sprachliche Besonderheiten. Einige davon sind zum Beispiel:

Metapher: Wenn im Originalgedicht eine Metapher verwendet wurde, könnte dies auch im Parallelgedicht Verwendung finden. Eine Metapher ist die Übertragung eines Konzepts von etwas Konkretem auf etwas Abstraktes, um sich dieses besser vorstellen zu können.
Originalgedicht: Der Oktober ist völlig aus Gold. Die strahlenden Blätter, das hüpfende Herz…
Parallelgedicht: Der Oktober ist völlig aus Blei: So düster und grau, das Herz wird mir schwer…

Enjambement: Unter einem Enjambement wird ein Zeilensprung verstanden. Der Inhalt eines Satzes beginnt in einer Zeile und endet erst in der zweiten. Dies kann den Inhalt besonders verstärken.
Originalgedicht: Du wunderschöne Herbsttag bringst uns
Freude und Gelassenheit. (Hier wird besonders die Freude betont)
Parallelgedicht: Du dunkelgraue Herbsttag bringst uns
Trauer und Verlassenheit (Hier wird besonders die Trauer betont)

Anapher: Als Anapher wird es bezeichnet, wenn zwei oder mehr Sätze hintereinander mit demselben Anfang beginnen.
Originalgedicht: Die Blätter fallen nun geschwind, die Blätter tanzen durch den Wind.
Parallelgedicht: Die Blätter wirken fahl und schwach, die Blätter werfen ab ihr Dach.

Alliteration: Alliteration ist die wiederholte Verwendung desselben Anfangsbuchstabens bei aufeinanderfolgenden Worten
Originalgedicht: Die bunten Blätter bringen bald beliebte Basteleien.
Parallelgedicht: Oh grimmig grauer Ginsterbusch, mich gruselt’s, geh nur, geh!

Es ist nicht unbedingt nötig, alle sprachlichen Besonderheiten zu übernehmen, die im Originalgedicht vorhanden sind, zumal einem als Laien vermutlich nicht einmal alle auffallen würden. Dennoch lohnt sich der genaue Blick, denn gerade dieser kleine Kniffe macht die Wirkung eines echten Parallelgedichts aus. Dies kann so gut gelingen, dass mithilfe des Parallelgedichts das Originalgedicht, wenn es einem bekannt ist, erraten werden kann.

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