Textauszug Analyse: Beispiel-Interpretation

Wer sich dafür interessiert, wie eine Interpretation geschrieben wird und sich mit dem Thema „Wie wird eine Interpretation eines Textauszuges richtig geschrieben“ näher beschäftigen möchte, findet hier im Folgenden ein Beispiel. Die Interpretation beschreibt einen Auszug der Geschichte „Fenstertheater“ von der Autorin Ilse Aichinger. Anhand dieses Beispieles wird gezeigt, wie man wir man Interpretation schrieben kann. Selbstverständlich kann jeder nach seinem eigenem Prinzip vorgehen und die Tipps , die hier folgen, nutzen und anwenden.

„Das Fenstertheater“ ist eine Geschichte von Ilse Aichinger, die im Jahre 1949 in einer Erzählungssammlung, mit dem Namen „Der Gefesselte“ im Verlag von Fischer erschien. Der Titel sagt bereits einiges über die vorhandene Handlung aus. Ein Theater, wo Zuschauer auf Bänken und Stühlen sitzen ist jedem bekannt. Die Handlung kann Drama bis Comedy beinhalten und noch vieles mehr. Der Zuschauer im Theater schaut den Darstellern auf der Bühne zu, wie sie sich verstellen und in fremde Rollen schlüpfen, die das Drehbuch für sie schrieb. Das Fenster im Titel lässt erahnen, dass es eine Hauptrolle in der Geschichte spielt. Das Theater, welches sonst auf der Bühne stattfindet, wird auf den zentralen Schauplatz Fenster verlegt. Der Schauplatz wird durch zwei Vorhänge, welche die Handlung einrahmen nicht verändert.

Die Kurzprosa führt den Leser kurz in die Geschichte ein, sodass dieser einen kurzen Einblick in das Leben der Frau bekommt. Eine Frau lebt im vorletzten Stockwerk in einem hohen Haus, und hat nur selten Abwechslung. Es scheint als ob sie an diese Wohnung gebunden sei. Die Sensation, welche der Leser in der Geschichte erwartet, wird diesem auch sofort nahe gebracht. Es ist zu sehen, dass die neugierige Frau darauf wartet, dass endlich etwas vor ihrer Nase in ihrem Leben passiert.. Sie denkt, dass auf der ganzen Welt schon so viel geschehen ist, dass es auch möglich ist, dass etwas genau vor ihrem Fenster passieren kann. Erneut wird dem Leser die Gier nach Spannung und das Interesse an Sensationen der Frau nahegelegt.

Die kurze Prosa zeigt zunächst die Frau, die, aus ihrem Fenster herausschaut und gegenüber einen alten Mann sieht, der am geöffneten Fenster steht. Sie sieht Bewegungen, die sie nicht eindeutig zuordnen kann. Gehen die Bewegungen in ihre Richtung? Meint der alte Mann sie damit? Der Mann lacht emotional. Der Blick der Frau wendet sich nicht ab und sie reagiert auf die Bewegungen des Mannes. Sie ist vollständig in ihr Gegenüber am anderen Fenster vertieft.

Dann passiert es, der Mann am Fenster verschwindet plötzlich und die Frau alarmiert umgehend die Polizei. Diese glaubt ihr kein Wort und denkt die Frau spinnt. Dies ist ein Grund, dass sich die Frau alleine zur Wohnung gegenüber begibt. Sie öffnet gewaltsam die Tür und findet den alten Mann wieder vor dem Fenster stehend. Er spielt „Fenstertheater“ und begeistert damit einen kleinen Jungen, der am Fenster im Stockwerk ganz oben im Haus gegenüber zu sehen ist. Dieser Junge wohnt genau über der Frau. Diese kann nun exakt einordnen, wem die Bewegungen galten und für wen der alte Mann das Theater inszeniert hat.

Ein auktorialer Erzähler spricht diese Geschichte. Dieser redet aus seiner Perspektive in der dritten Person über die Frau und betitelt sie mit „Sie“ und „die Frau“. Die Leser wissen über die Frau nur, dass sie in einem Hochhaus wohnt. Trotzdem wissen sie, was sie denkt und bekommen dies in der Prosa auch übermittelt. Rund um die Emotionen der Frau wird kaum etwas in der Geschichte erzählt. Dies ist auch der Grund, warum sich einige Leser fragen, warum die Frau die Polizei anruft und ob sie nur darauf gewartet hat, etwas zu tun? Die Antwort ist ungewiss. Vermutlich war sie von den plötzlichen Ereignissen so überwältigt, dass sie verzweifelt war und nicht mehr weiter wusste und die Verantwortung an die Polizei abgeben wollte. Bei einer Kurzgeschichte weiß man nur sehr selten mehr über die Personen, die eine Rolle spielen und ebenfalls die Vorgeschichte der Charaktere ist unbekannt.

Eine Parabel ist im letzten Satz der Kurzprosa zu finden, als alle Anwesenden einen Schock haben, als die Wohnungstür des alten Mannes gewaltsam aufgebrochen wurde und er beim Fenstertheater von der Frau gesehen wird. Das Lachen des Jungen gegenüber am Fenster wird mit dem Satz „dann warf es mit aller Stärke den Wachleuten ins Gesicht“ beschrieben. Die Menschen sind völlig schockiert. Das bedeutet, dass der Junge, der in der Wohnung über der Frau mit seinen Eltern wohnt, den alten Mann so erschreckend fasziniert, dass dieses simple Lachen durch den Schock ihnen ein Lächeln ins Gesicht wirft.

Die Kurzprosa sagt damit mit vielen kleinen Hinweisen aus, dass sich niemand blenden lassen sollte, von dem, was er sieht. Auf eine Sensation zu hoffen und sich darauf zu versteifen, dass diese bald geschieht ist falsch. Unüberlegte Aktionen haben oftmals einen negativen einen Einfluss auf weitere Handlungen. Überlegen und Nachdenken ist die bessere Variante. In Bezug auf die Kurzprosa, ist die Schlussfolgerung, dass die Frau sich besser auf die Gegenwart konzentrieren hätte sollen. Hatte sie ihr näheres Umfeld, und dadurch auch die Wohnung darüber genauer betrachtet, hätte sie eventuell eine klare Aussage treffen können und hatte eine realitätsnahe Entscheidung getroffen.

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