Was ist eine innere & äußere Handlung? Aufklärung

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Einleitung:

Erzählungen, Gedichte oder andere Schriftstücke unterscheiden sich durch ihre verschiedenen Handlungsstränge voneinander. Einige weisen ähnliche Verläufe auf oder lassen sich in ihren Schlussteilen miteinander vergleichen. Dennoch verleiht die zugrundeliegende Handlung jedem schriftlichen Werk seine Individualität.

Einige Handlungen erfolgen nach einem komplexen Aufbau und sind vielschichtiger. Solche Schriften lassen sich wissenschaftlich betrachten, also analysieren. Je nach Textstruktur kann man zwischen einer inneren und einer äußeren Handlung differenzieren. Gerade die innere lässt Platz für Interpretationsansätze.

Hinweis: Das Ermitteln von inneren/äußeren Handlungen ist nicht allein mit Texten möglich. Selbst Skizzen oder bildliche Darstellungen können so auf ihre Aussagekraft hin beleuchtet und am Ende besser verstanden werden. Aus diesem Grund spielt die Analyse sowohl im Deutsch- als auch im Kunstunterricht eine Rolle.

Was ist eine innere Handlung?

Als innere Handlung begreift man Emotionen, Gedankengänge, Beweggründe oder Berechtigungen, welche den Protagonisten zum jeweiligen Vorgehen veranlassen. Sie können durch Vernunft begründet oder rein gefühlvoller Natur sein. Die innere Handlung lässt sich nicht von außen erkennen, dafür bedarf es einer genauen Textkenntnis. Noch schwieriger fällt das Herausarbeiten von inneren Handlungen bei Kunstwerken. Hier kann man nur Vermutungen aufstellen, ggf. lassen Farbverläufe etc. Rückschlüsse auf die inneren Handlungsmotive zu.

Was ist eine äußere Handlung?

Einerseits beschreibt die äußere Handlung das Ergebnis von inneren Impulsen, andererseits werden unter dem Fachbegriff alle erkennbaren Umstände einer Situation zusammengefasst. Deshalb stellt die äußere Handlung das Gegenstück zur inneren Handlung dar: Innere Gefühlslagen vollziehen sich durch äußere Vorgänge. Ebenso können die äußeren Bedingungen Einblicke in das Seelenleben des Handelnden ermöglichen.

Zu den äußeren Handlungen gehören Raum- und Zeitangaben, Wettereinflüsse, mitunter auch Gegenstände oder Aussagen des Protagonisten. Sie liegen dem Interpreten offenkundig vor. Deshalb ist die äußere Handlung (in einer Geschichte etc.) wesentlich einfacher und klarer ersichtlich als der innere Aspekt.

Stichpunkte für die Analyse:

Die folgende Checkliste kann während der Untersuchung als Hilfestellung hinzugezogen werden. Dabei ist es sinnvoll, Analysen für Textquellen und künstlerische Werke gesondert zu betrachten.

Textarbeit:

  • Zunächst wird die Quelle genau durchgelesen. Um eine erfolgreiche Handlungsanalyse verfassen zu können, muss man den Textinhalt tatsächlich verstanden haben. Aufkommende Fragen werden in Stichwortform festgehalten und vor dem Analysieren geklärt.
  • Zur besseren Unterscheidung unterstreicht man relevante Zitate oder Angaben farblich. Für innere Handlungen wird beispielsweise Rot verwendet, die äußeren Handlungen unterlegt man mit Grün.
  • Bei den äußeren Handlungssträngen bleibt weniger Interpretationsspielraum, denn sie orientieren sich an festen Gegebenheiten. Im Vergleich dazu kann eine innere Handlung vielfältig ausgelegt, bewertet und mit eigenen Vermutungen ausgeschmückt werden. Dennoch sollten diese Denkansätze immer auf dem Text aufbauen und sich nicht zu sehr auf mögliche Hypothesen stützen.
  • Beim Verfassen der Analyse beruft man sich als Interpret auf aussagekräftige Textzitate. Ansonsten kann der Prüfer nicht mehr nachvollziehen, welche Gedankengänge während der Klausur vom Prüfling geschrieben worden sind.

Betrachtung von Skizzen/Kunstwerken:

  • Zu Beginn lässt man die Skizze oder das Kunstwerk einige Minuten lang auf sich wirken. Werden durch die Betrachtung bestimmte Assoziationen geweckt, schreibt man sie in kurzen Worten auf.
  • Welche farblichen Schattierungen fallen besonders ins Auge? Inwieweit könnten sie die Aussage des Bildes verdeutlichen?
  • Bei Gemälden: Sind bestimmte Farben mit einem sehr entschlossenen Pinselstrich auf die Leinwand gemalt worden? Mit welchen Gefühlen kann man dieses künstlerische Stilmittel in Verbindung bringen?
  • Lässt sich das Gemälde einer konkreten Epoche zuordnen?
  • Bei Skizzen: Sind die Zeichnungen detailliert herausgearbeitet oder wurden sie eher schlicht gehalten? Wie wirkt die Skizze dadurch?
  • Welche Situation sollte mit der Skizze zeichnerisch dargestellt werden?
  • Sind Sprechblasen vorhanden? Falls ja, was steht darin? Gibt es weitere bemerkenswerte Einzelheiten zu sehen? Wie kann man auf sie Bezug nehmen, um die äußeren Handlungen zu analysieren?
  • Nachdem die Fragen beantwortet wurden, verarbeitet man die Stichworte und Gedanken zu einem Fließtext. Es ist einfacher, zuerst auf die äußeren Handlungen einzugehen und sich anschließend die inneren Handlungsstränge vorzunehmen. Diese Technik trägt nicht nur zur besseren Orientierung bei, sondern vereinfacht den interpretierenden Übergang von der äußeren zur inneren Handlung.

Hinweis: Die Analyse von äußeren, mehr noch von inneren Handlungen unterliegt der Persönlichkeit des Interpreten. Vor allem bei künstlerischen und prosaischen Werken lassen sich die Interpretationen nicht in richtige oder falsche Ergebnisse einordnen. Trotzdem sollten sich die individuellen Denkansätze im gleichen Verhältnis zu den Textverweisen befinden und nicht überwiegen. Dann erfüllt der Interpret die Voraussetzungen für eine gute wissenschaftliche Arbeit.

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