„Der Arbeiter im Reich des Hakenkreuzes“ – Interpretation

Das Plakat „Der Arbeiter im Reich des Hakenkreuzes!“ ist von dem Illustrator Karl Geiss für die Sozialdemokraten in Deutschland anlässlich der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 gestaltet worden. Es hat in der Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus eine bestimmende Rolle gespielt, weil die schmerzverzerrte Figur, die darauf abgebildet ist, als visionäres Symbol für die kommenden Schrecken des Nationalsozialismus gesehen wird.

Bildinhalte und Farben des Plakats

Das Plakat ist auf weißlich, beigem Papier gedruckt. Von diesem Untergrund heben sich die Farben des Bildes deutlich ab. Es gibt Schriftanteile im oberen und unteren Bereich des Plakats und ein großes Bild, das sogar über die Bildfläche hinauszuragen scheint. Die Farben blau, rot, schwarz und leichte Anteile von weiß finden auf dem Plakat Verwendung. Über der abgebildeten Figur steht „Der Arbeiter im Reich des Hakenkreuzes!“ in Großbuchstaben. Darunter ebenfalls in Großbuchstaben: „Darum wählt List 1 Sozialdemokraten!“ Damit bezieht sich der Textteil auf das prägnante Bild im Zentrum des Plakats. Ohne das Bild wird die Aussage des Plakats nicht verständlich.

Auf dem Bild sieht man ein schwarzes Hakenkreuz, darauf ist ein grotesk verrenkter Mann abgebildet. Er trägt nur eine blaue Hose, die mit einem Seil an seinem kräftigen, aber auch ausgemergelten Körper befestigt ist. Außerdem at er wohl rote Schuhe an. Sen Gesicht ist nur im Profil u sehn, weil er sich schmerzvoll nach hinten beugt. Seine Arme sind jeweils an einem Arm des Hakenkreuzes gefesselt, seine beiden Beine an einen anderen. Die Verrenkung erzeugt beim Betrachter das Gefühl, dass der Mann leidet. Der Körper des Mannes es ist rot eingefärbt, an manchen Stellen ist er auch schwarz, weil der Schattenwurf dort übertrieben dargestellt wurde. Die Hose ist einheitlich blau.

Interpretation des Plakats

Das Hakenkreuz ist größer als der Mann selbst, es dient hier als eine Art Wagenrad, an den der Körper des Mannes gekettet ist. Hier wird eine mittelalterliche Foltermethode an zitiert, nämlich das Rädern von Menschen. Sie wurden auf Räder gespannt und dann so zu Tode gebracht. Es geht also um Folter, Knechtung und Leid, aber auch um den Rückfall in eine frühere Zeit. Damit wendet sich diese Foltersymbolik gegen die NSDAP. Ihr Symbol ist das Hakenkreuz und eben dieses einprägsame Symbol wird hier genutzt, um vor einer Herrschaft der NSDAP zu warnen.

An diesem Punkt muss der Titel miteinbezogen werden. Das Hakenkreuz ist größer als die dargestellte Figur, es ragt an den Seiten sogar über die Plakatbegrenzung hinaus und wird dort unsichtbar. Das heißt, dass dieses Bild für eine Zeit steht, in der das Hakenkreuz sehr groß und mächtig geworden ist, also für ein „Reich des Hakenkreuzes“, wie es eben die obere Schriftzeile des Plakats verrät. Wir sehen hier also eine Zukunftsvision. Da es sich um ein Wahlplakat handelt, ist dies die dystopische Zukunft ein Schrecken, den die Sozialdemokraten hier zeigen, um die Wähler davor zu warnen. Sie setzen hier nicht auf eigene positive Inhalte, sondern warnen die Wähler vor den Auswirkungen, die ein Sieg der NSDAP auf ihr Leben uns sie persönlich haben wird.

Die Wählerschicht der SPD waren in dieser Zeit vor allem Arbeiter. Führ ihre Belange – gerechte Bezahlung, Urlaubs, Betriebsrente, Versicherungen usw. – setzten sich die Sozialdemokraten ein. Daher werden sie nach wie vor als Arbeiterpartei bezeichnet. Die Partei wendet sich hier also an ihr ureigenstes Klientel und warnt „die Arbeiter“ davor, was der Nationalsozialismus für sie bedeuten wird: Knechtung und Leid.

Die Sozialdemokraten waren 1932 ein ernsthafter Gegner der NSDAP, nach der Wahl Hitlers zum Reichskanzler 1933 ging er rasch daran, sie und die KPD zu verbieten. Daher fand ab diesem Zeitpunkt keine demokratische Auseinandersetzung mehr statt.

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