
- Arabisch und Türkisch sind nicht miteinander verwandt: Arabisch gehört zu den semitischen Sprachen, Türkisch zu den Turksprachen.
- Ein Türke und ein Araber verstehen sich ohne Lernen nicht.
- Türkisch hat aber Tausende arabische Lehnwörter übernommen, zum Beispiel kitap (Buch), saat (Uhr) und merhaba (Hallo).
- Auch Grammatik und Schrift sind völlig verschieden: Türkisch reiht Endungen aneinander, Arabisch baut Wörter aus Wurzeln.
Viele denken, Arabisch und Türkisch seien ähnlich – schließlich ist in beiden Sprachen vieles mit dem Islam verbunden, und manche Wörter klingen gleich. Sprachwissenschaftlich liegen die beiden aber weiter auseinander als Deutsch und Persisch. Hier siehst du, warum.
Zwei verschiedene Sprachfamilien
Sprachen, die sich aus einer gemeinsamen Ursprache entwickelt haben, bilden eine Sprachfamilie. Deutsch, Englisch, Russisch, Persisch und Hindi gehören zum Beispiel alle zur indogermanischen Familie. Arabisch und Türkisch stehen in ganz anderen Familien:
Persisch ist mit dem Deutschen also entfernt verwandt – mit dem Türkischen und Arabischen dagegen nicht, obwohl es viele Wörter aus beiden aufgenommen hat.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
| Merkmal | Arabisch | Türkisch |
|---|---|---|
| Sprachfamilie | semitisch (afroasiatisch) | Turksprache |
| Schrift | arabische Schrift, von rechts nach links | lateinische Schrift seit 1928, von links nach rechts |
| Wortbildung | Wurzel aus meist 3 Konsonanten + Vokalmuster | Endungen werden aneinandergehängt |
| Grundwortstellung | Hocharabisch oft Verb – Subjekt – Objekt, in den Dialekten meist Subjekt – Verb – Objekt | Subjekt – Objekt – Verb (Verb am Ende) |
| Grammatisches Geschlecht | männlich und weiblich | keines (o = er, sie, es) |
| Artikel | al- („der/die/das“) | kein bestimmter Artikel |
| Vokale | drei Grundvokale (a, i, u), kurz und lang | acht Vokale mit Vokalharmonie |
| Sprecher (ungefähr) | über 300 Millionen Muttersprachler in vielen Ländern | rund 80–90 Millionen Muttersprachler |
So unterschiedlich werden Wörter gebaut
Am deutlichsten wird der Unterschied bei der Wortbildung. Im Arabischen trägt eine Wurzel aus drei Konsonanten die Grundbedeutung; Vokale und Vorsilben werden hineingeschoben. Im Türkischen bleibt der Wortstamm unverändert, und hinten werden Endungen wie Perlen auf eine Kette gereiht. Man nennt das agglutinierend (von lateinisch „ankleben“).
Warum gibt es trotzdem gemeinsame Wörter?
Über viele Jahrhunderte standen Türkisch und Arabisch in engem Sprachkontakt. Mit dem Islam kamen religiöse Begriffe ins Türkische, im Osmanischen Reich wurde Türkisch sogar in arabischer Schrift geschrieben und mit arabischen und persischen Wörtern angereichert. Erst 1928 führte Atatürk die lateinische Schrift ein, später wurden viele Lehnwörter durch türkische Neubildungen ersetzt. Trotzdem sind bis heute mehrere Tausend arabische Wörter im Türkischen geblieben.
| Türkisch | Arabisch | Bedeutung |
|---|---|---|
| kitap | kitāb | Buch |
| kalem | qalam | Stift |
| saat | sāʿa | Stunde, Uhr |
| dünya | dunyā | Welt |
| hayat | ḥayāt | Leben |
| merhaba | marḥaban | Hallo |
Verstehen sich Araber und Türken?
Im Gespräch: nein. Einzelne Wörter erkennt man vielleicht wieder, aber Satzbau, Endungen und Aussprache sind zu verschieden. Verständigung klappt nur, wenn jemand die andere Sprache gelernt hat – oder über eine dritte Sprache wie Englisch oder Deutsch. Religiöse Formeln wie „Salam aleikum“ oder „Inschallah“ kennen allerdings viele Muslime in beiden Sprachen.
Türkisch: Kitap okuyorum. (wörtlich: „Buch lesend-ich“ – Verb am Ende)
Arabisch: أقرأ كتابًا – aqraʾu kitāban. (wörtlich: „Ich-lese Buch“)
Nur das Wort für „Buch“ ist ähnlich, alles andere nicht.
















