Arabisch und Türkisch: Wie groß ist der Unterschied? Verstehen sie sich?

Arabisch & Türkisch großer Unterschied

Aktualisiert: Oktober 2026 · Fach: Sprachen

Kurz erklärt

  • Arabisch und Türkisch sind nicht miteinander verwandt: Arabisch gehört zu den semitischen Sprachen, Türkisch zu den Turksprachen.
  • Ein Türke und ein Araber verstehen sich ohne Lernen nicht.
  • Türkisch hat aber Tausende arabische Lehnwörter übernommen, zum Beispiel kitap (Buch), saat (Uhr) und merhaba (Hallo).
  • Auch Grammatik und Schrift sind völlig verschieden: Türkisch reiht Endungen aneinander, Arabisch baut Wörter aus Wurzeln.

Viele denken, Arabisch und Türkisch seien ähnlich – schließlich ist in beiden Sprachen vieles mit dem Islam verbunden, und manche Wörter klingen gleich. Sprachwissenschaftlich liegen die beiden aber weiter auseinander als Deutsch und Persisch. Hier siehst du, warum.

Zwei verschiedene Sprachfamilien

Sprachen, die sich aus einer gemeinsamen Ursprache entwickelt haben, bilden eine Sprachfamilie. Deutsch, Englisch, Russisch, Persisch und Hindi gehören zum Beispiel alle zur indogermanischen Familie. Arabisch und Türkisch stehen in ganz anderen Familien:

AfroasiatischZweig: SemitischTurksprachenZweig: OghusischIndogermanischviele ZweigeArabischTürkischDeutsch, PersischVerwandte:Hebräisch, Aramäisch,Amharisch, MaltesischVerwandte:Aserbaidschanisch, Turkmenisch,Usbekisch, KasachischVerwandte:Englisch, Russisch,Kurdisch, Hindinur Lehnwörter, keine gemeinsame UrspracheVereinfachte Darstellung
Infografik: Arabisch, Türkisch und Deutsch/Persisch gehören zu drei verschiedenen Sprachfamilien.

Persisch ist mit dem Deutschen also entfernt verwandt – mit dem Türkischen und Arabischen dagegen nicht, obwohl es viele Wörter aus beiden aufgenommen hat.

Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Merkmal Arabisch Türkisch
Sprachfamilie semitisch (afroasiatisch) Turksprache
Schrift arabische Schrift, von rechts nach links lateinische Schrift seit 1928, von links nach rechts
Wortbildung Wurzel aus meist 3 Konsonanten + Vokalmuster Endungen werden aneinandergehängt
Grundwortstellung Hocharabisch oft Verb – Subjekt – Objekt, in den Dialekten meist Subjekt – Verb – Objekt Subjekt – Objekt – Verb (Verb am Ende)
Grammatisches Geschlecht männlich und weiblich keines (o = er, sie, es)
Artikel al- („der/die/das“) kein bestimmter Artikel
Vokale drei Grundvokale (a, i, u), kurz und lang acht Vokale mit Vokalharmonie
Sprecher (ungefähr) über 300 Millionen Muttersprachler in vielen Ländern rund 80–90 Millionen Muttersprachler

So unterschiedlich werden Wörter gebaut

Am deutlichsten wird der Unterschied bei der Wortbildung. Im Arabischen trägt eine Wurzel aus drei Konsonanten die Grundbedeutung; Vokale und Vorsilben werden hineingeschoben. Im Türkischen bleibt der Wortstamm unverändert, und hinten werden Endungen wie Perlen auf eine Kette gereiht. Man nennt das agglutinierend (von lateinisch „ankleben“).

Arabisch: Wurzel K-T-BTürkisch: Endungen anhängenK-T-Bkatabaer schriebkitābBuchkātibSchreibermaktabBüro, SchreibtischmaktabaBibliothekev-ler-im-deHausMehrzahlmeininev = Hausevler = Häuserevlerim = meine Häuserevlerimde = in meinen Häusern
Infografik: Links entstehen aus einer arabischen Wurzel verschiedene Wörter, rechts wächst ein türkisches Wort durch Endungen.

Warum gibt es trotzdem gemeinsame Wörter?

Über viele Jahrhunderte standen Türkisch und Arabisch in engem Sprachkontakt. Mit dem Islam kamen religiöse Begriffe ins Türkische, im Osmanischen Reich wurde Türkisch sogar in arabischer Schrift geschrieben und mit arabischen und persischen Wörtern angereichert. Erst 1928 führte Atatürk die lateinische Schrift ein, später wurden viele Lehnwörter durch türkische Neubildungen ersetzt. Trotzdem sind bis heute mehrere Tausend arabische Wörter im Türkischen geblieben.

Türkisch Arabisch Bedeutung
kitap kitāb Buch
kalem qalam Stift
saat sāʿa Stunde, Uhr
dünya dunyā Welt
hayat ḥayāt Leben
merhaba marḥaban Hallo
Vergleich zum Deutschen: Das ist ähnlich wie bei Englisch und Französisch. Englisch hat Tausende französische Wörter übernommen (table, beautiful, government), ist aber trotzdem eine germanische Sprache. Ein Engländer versteht ohne Lernen kein Französisch.

Verstehen sich Araber und Türken?

Im Gespräch: nein. Einzelne Wörter erkennt man vielleicht wieder, aber Satzbau, Endungen und Aussprache sind zu verschieden. Verständigung klappt nur, wenn jemand die andere Sprache gelernt hat – oder über eine dritte Sprache wie Englisch oder Deutsch. Religiöse Formeln wie „Salam aleikum“ oder „Inschallah“ kennen allerdings viele Muslime in beiden Sprachen.

Beispiel„Ich lese ein Buch.“
Türkisch: Kitap okuyorum. (wörtlich: „Buch lesend-ich“ – Verb am Ende)
Arabisch: أقرأ كتابًا – aqraʾu kitāban. (wörtlich: „Ich-lese Buch“)
Nur das Wort für „Buch“ ist ähnlich, alles andere nicht.
Typischer Irrtum: „Türkisch ist eine arabische Sprache.“ Falsch. Türkisch ist die Landessprache der Türkei und gehört zu den Turksprachen. Arabisch sprechen in der Türkei nur Minderheiten, etwa in Teilen des Südens und Südostens (zum Beispiel in Hatay oder Mardin), sowie viele Geflüchtete aus Syrien.
Ist Türkisch schwerer als Arabisch?
Für Deutschsprachige gilt Arabisch meist als schwerer: neue Schrift, ungewohnte Laute und große Unterschiede zwischen Hochsprache und Dialekten. Türkisch hat dafür viele Endungen, ist aber sehr regelmäßig.
Verstehen sich Türken und Aserbaidschaner?
Weitgehend ja. Aserbaidschanisch ist eng mit dem Türkischen verwandt.
Verstehen sich alle Araber untereinander?
Das Hocharabisch verstehen Gebildete überall. Die Dialekte, etwa aus Marokko und dem Irak, sind aber so verschieden, dass sich Sprecher manchmal nur schwer verstehen.
Warum heißt es „Habibi“ auf Arabisch und Türkisch?
„Habibi“ ist arabisch („mein Liebling“) und wird auch von vielen Türkischsprachigen als Lehnwort benutzt. Mehr dazu: Habibi und Habibti.

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