
- Im Englischen ist singular they („they/them“) ein etabliertes geschlechtsneutrales Pronomen für eine Person – es wird seit Jahrhunderten benutzt und steht in allen großen Wörterbüchern.
- Im Deutschen gibt es kein allgemein anerkanntes geschlechtsneutrales Personalpronomen. Das Duden-Regelwerk kennt nur er, sie, es.
- Es gibt Vorschläge (Neopronomen) wie dey, xier, en oder sier. Sie werden vor allem von nichtbinären Menschen und in ihrem Umfeld genutzt.
- Im Alltag hilft oft der einfachste Weg: den Namen wiederholen oder Sätze ohne Pronomen bauen – und die Person fragen, was sie sich wünscht.
Auf Social Media liest du oft Angaben wie „she/her“, „he/him“ oder „they/them“. Damit zeigen Menschen, mit welchen Pronomen sie bezeichnet werden möchten. „They/them“ benutzen häufig nichtbinäre Menschen, also Personen, die sich weder ausschließlich als Mann noch als Frau verstehen. Doch wie sagt man das auf Deutsch? Hier erfährst du, wie die beiden Sprachen funktionieren, welche Lösungen es gibt und wo die Grenzen liegen.
Was bedeutet they/them im Englischen?
They heißt normalerweise „sie“ (Plural). Es kann aber auch für eine einzelne Person stehen, deren Geschlecht unbekannt oder unwichtig ist – oder die sich selbst so bezeichnet. Das nennt man singular they.
Someone left their bag in the classroom. I hope they come back for it.
(Jemand hat seine/ihre Tasche im Klassenzimmer vergessen. Hoffentlich kommt die Person zurück.)
This is Alex. They are in my class. I like them a lot.
(Das ist Alex. Alex ist in meiner Klasse. Ich mag Alex sehr.)
Wichtig für die Grammatik: Auch beim singular they steht das Verb im Plural (they are, nicht „they is“). Das Reflexivpronomen lautet meist themselves, manche benutzen themself. Die Formen sind: they – them – their – theirs – themselves.
Warum ist es im Deutschen schwieriger?
Im Englischen trägt fast nur das Pronomen ein Geschlecht. Im Deutschen dagegen steckt das grammatische Geschlecht (Genus) in vielen Wörtern gleichzeitig: im Artikel, im Pronomen, in Adjektiven und oft im Nomen selbst.
Außerdem ist das neutrale deutsche Pronomen es für Menschen problematisch. Bei „das Mädchen – es“ ist es grammatisch korrekt, aber eine erwachsene Person mit „es“ zu bezeichnen, empfinden die meisten als abwertend, weil es nach einer Sache klingt. Deshalb ist „es“ keine gute Übersetzung für they.
Welche Lösungen gibt es im Deutschen?
1. Den Namen benutzen
Die einfachste und von vielen nichtbinären Menschen genannte Lösung: statt eines Pronomens den Namen wiederholen.
2. Sätze umformulieren
Viele Sätze lassen sich ganz ohne Pronomen bauen: „Die Person aus der 9b“, „Wer das Referat hält, …“, „Alex’ Tasche“ statt „seine/ihre Tasche“.
3. Neopronomen
Neopronomen sind neu gebildete Pronomen. Sie stehen nicht im amtlichen Regelwerk, werden aber in manchen Gruppen, Medien und Schulen benutzt. Es gibt viele Vorschläge, kein einziger hat sich allgemein durchgesetzt.
| Neopronomen | Herkunft / Idee | Beispielsatz |
|---|---|---|
| dey (dem) | angelehnt an englisch they/them | Kim kommt mit, dey hat Zeit. |
| xier | Mischform aus sie und er mit x | Xier liest gerade ein Buch. |
| sier | Zusammenziehung von sie und er | Sier wohnt in Köln. |
| en | abgeleitet von „Mensch“ (letzte Buchstaben), angelehnt an schwedisch „hen“ | En spielt Gitarre. |
| kein Pronomen | nur der Name | Kim sagt, Kim kommt später. |
Für einige dieser Pronomen gibt es Deklinationsvorschläge, etwa für dey: Nominativ dey, Genitiv deren, Dativ dem, Akkusativ dey („Ich sehe dey.“, „Ich gebe dem das Buch.“). Die Formen sind jedoch nicht festgelegt und werden unterschiedlich benutzt.
Wie gehe ich im Alltag respektvoll damit um?
- Hören, was die Person sagt: Viele geben ihre Pronomen an (z. B. in der Vorstellungsrunde oder im Profil). Nutze dann diese Form.
- Unsicher? Kurz und unaufgeregt fragen: „Wie möchtest du genannt werden?“ – das ist höflich und kein Drama.
- Im Zweifel den Namen benutzen: Damit liegst du fast nie falsch.
- Fehler passieren: Wenn du dich vertust, korrigiere dich kurz und mach weiter, ohne lange Entschuldigungen.
Und wie ist die rechtliche Lage in Deutschland?
Sprache und Recht sind zwei verschiedene Dinge. Rechtlich gibt es in Deutschland seit Ende 2018 neben „weiblich“ und „männlich“ den Geschlechtseintrag „divers“, außerdem kann der Eintrag offen bleiben. Seit November 2024 regelt das Selbstbestimmungsgesetz, dass Erwachsene ihren Geschlechtseintrag beim Standesamt per Erklärung ändern lassen können. Ein offizielles neutrales Pronomen folgt daraus aber nicht – die Sprache regelt kein Gesetz.
Warum ist das Thema umstritten?
Die Diskussion ist sachlich gesehen eine Frage von Sprachwandel. Befürworter sagen: Sprache soll alle Menschen sichtbar machen und niemanden falsch bezeichnen. Kritiker wenden ein, dass neue Pronomen die Grammatik verkomplizieren, schwer zu lernen sind und sich nicht „von oben“ einführen lassen. Sprachwissenschaftlich gilt: Ob sich eine neue Form durchsetzt, entscheidet am Ende der tatsächliche Sprachgebrauch. Mehr zu verschiedenen Ebenen von Sprache findest du im Artikel Welche Sprachebenen gibt es?.







